Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5666
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tigt wurden und ein „opus tcxtile", nicht aber ein "opus acus" 
waren. Wir werden im Verlaufe dieser Abhandlung naher aus- 
zuführen Gelegenheit haben, welcher Vorrichtungen man sich bc- 
diente, und wie überhaupt der Webstuhl beschaflexi war, auf 
welchem die im alten Testamente auch für den Proiaiigebraucli 
üblichen Gewänder ohne Naht angefertigt wurden. Hier sei 
nur im Vorbeigehen bemerkt, dass auch der Leibroek des Hei- 
landes, worüber die Kriegskneehte bei seiner Kreuzigung das 
Loos warfen, bezeichnet wird als eine „toga inconsutilis". WVie 
es scheint, war bereits in den Tagen des h. Ilieroxiynlus die 
alte Kunst, Kleidungsstücke ohne Naht zu weben, vielfach un- 
bekannt geworden und nicht mehr in Üebung, deswegen nimmt 
er auch in seinem Briefe an die Fabiola an, diese Bcinbckleiilung 
sei genäht gewesen. 
Schwieriger als die Angabe über Stoff, Farbe und Art der 
Anfertigung der in Rede stehenden "braehae" dürfte die Frage 
zu beantworten sein, von welcher feststehenden Form war das 
Untergewand, das der einfache Priester wie der Hohepriester vor 
allen übrigen Gewändern zuerst als bedeckendes Untergewand 
anlegte? Indem wir hinsichtlich des Schnittes dieses Unterkleides 
auf die gelehrten Untersuchungen unseres Gewährsmannes Brau- 
nius hinweisen, 1) glauben wir nach Durchsicht der betreifenden 
Angaben anderer Schriftsteller hier die Ansicht aussprechen zu 
können: die "feminalia" seien nicht von der Form eines Sehurzes 
gewesen, wie sie als "sueeinetorium", "öuiijotia" auch von den 
Zweikämpfern und den Badenden im klassischen Zeitalter getra- 
gen zu werden pflegten, sondern die Form sei eine solche gewesen, 
wie sie auf Tat. I. Fig. 1. veranschaulicht wird. Es war nämlich 
dieser Lcndengurt in zwei Theile getrennt, so dass, wie bei un- 
sern heutigen Unterbeinkleidern, mit jeder Hätlfte nur immer ein 
Bein bekleidet werden konnte, Worauf auch die lateinische Be- 
zeichnung "cruralia", "tibialia", "duuäjvgzilrygtt zu beziehen sind. 
Aus der Eingangs angeführten gesetzlichen Bestimmung des 
Exodus ist schon zu entnehmen, dass „ad tegcndam carnem nu- 
ditatis" diese Unterkleider nicht zu lang zu sein brauchten, son- 
dern dass dieselben von ähnlicher Grösse, wie man heute eines 
Vestitus Samcerdotum Hebraeorum autore Joanne Bmunie, Amsteludami 
1698. Wir fügen hinzu, dass wir in den folgenden lürklärungen zumeist 
den Angaben des eben genannten Gelehrten gefolgn sind, ohne zu über- 
sehen, was Lundixxs, Didacus del Castellio in seinem Werke „(1e Orllilül 
Aharonis" und Ilieron. Sopranis in seinem „de vestitu saero" und an- 
dere Schriftsteller darüber weitläufiger ausgeführt haben.
        

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