Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5620
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Cultus in zwei Hauptabtheilungen, nämlich: in Gewänder, die 
die Opferpriester anzulegen pflegten, und in Gewänder, Womit 
der Hohepriestcr in der Regel bekleidet war. Diese letztgenann- 
ten „vestes summi pontificis" zerfallen Wieder in die goldenen 
und in die weissen Gewänder. Der „vestes aureae" bediente sich 
der Hohepriester zu jeder Zeit, wenn er überhaupt im Tempel 
gottesdienstliche Verrichtungen vorzunehmen hatte. Die „vestes 
albae" jedoch legte derselbe nur einmal des Jahres an und 
zwar am Tage des Versöhnungsfestes, das immer auf den 
10. des Monats Tisri fiel. Der hohepriesterliehe Ornat, der 
(leswegen die "goldenen Gewänder" genannt zu werden pflegte, 
weil er mit vielen goldenen Ornamenten reich ausgestattet war, 
bestand in seiner Gesammtheit aus acht verschiedenen Kleidungs- 
stücken, die wir im Folgenden hinsichtlich ihrer Form und Ma- 
terie näher beschreiben wollen. 
Gleiehwie heute die bischöflichen Gewänder sieh vornehmlich 
nur ihrer Zahl und ihrer deeorativen Ausstattung nach von den 
priesterlichen unterscheiden, und der Pontifex mehrere Gewänder 
übereinander anlegt, deren auch der einfache Priester sich zu be- 
dienen das Recht hat; so machte auch im alten Testamente der 
Hohepriester nicht nur von jenen Gewändern Gebrauch, die 
der gewöhnliche Opferpriester trug, sondern cr legte zu solchen, 
die der „turba saeerdotum" zustehend waren, noch einzelne reich 
verzierte hinzu, die ihn in seiner WVürtle als Hohepriester Vor 
den untergeordneten Priestern auszeiehneten. Vorläufig wei- 
sen wir darauf hin, dass die niedern Priester des alten 
Bundes bei dem Opferdienste vier verschiedene Gewandstüeke 
durch das Gesetz anzulegen gehalten waren. Der Ilohepriester 
jedoch bekleidete sich zuerst mit den Gewändern, wie sie der 
grossen Zahl der Priester zuständig waren, und fügte dann diesen 
Üntergewändern noch vier reichere Oberkleider hinzu, so dass sein 
vollständiger Ornat aus acht verschiedenen Gewandstüekcn be- 
stand. Wir beabsichtigen, im Folgenden, der Reihe nach, wie 
sie angelegt wurden, jedes einzelne Bekleidungsstück und zwar 
zuerst die des einfachen Opferpriesters einer nähern Besprechung 
zu unterwerfen, und alsdann zur Beschreibung des Ornates des 
Hohenpriesters, wie derselbe ihm durch das Gesetz Moses vor- 
geschrieben war, überzugehen. Indem wir so unter gewissen- 
hafter Benutzung der gelehrten Angaben vieler Vorgängßlä die 
vom Herrn selbst angeordneten Gewänder des Mosaisehen Jehova- 
dienstes einer eingehenden Erörterung, unter Zugabe der nüthigen 
Zeichnungen, unterziehen, glauben wir nicht nur den exegeti-
        

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