Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1643
 
risiren den Zeitabschnitt vom VI. bis XII. Jahrhundert? Da bei 
Beantwortung dieser Frage sich Anhaltspuncte für die Chronolo- 
gie von noch vorhandenen Stoffen ergeben, so mag hier die Lö- 
sung derselben ausführlicher versucht werden. 
Gleichwie die Sculptur und Malerei um diese Zeit oft phan- 
tastisch in ihren Bildungen zu Werke zu gehen scheinen, indem 
sie an Capitälen, Wulsten und Simsen, so wie an Miniaturen und 
Initialen nicht selten die abenteuerlichsten Thiergestalten, mit kräf- 
tig geschwungenen Pflanzen-Ornamenten umgeben, zuweilen wohl 
nicht ohne tiefern symbolischen Grund sich entwickeln lassen, so 
hat auch dieselbe Vorliebe für das Aussergewöhnliche, Sagenhafte 
und. Wundervolle den Geweben der damaligen Zeit die Zeichnung 
dictirt. Die ganze animalische Schöpfung, wie sie sich im Was- 
ser, in der Luft und auf dem Lande bewegt, ist hier auf eine höchst 
merkwürdige, oft bizarre Weise 1) ziemlich vollständig repräsentirt 
und zwar sind diese Thier-Unholde selten von freien Pflanzen- 
ornamenten umgeben, sondern in der Regel" von geometrischen Fi- 
guren, z. B. Kreisen, Vier-, Seehs- und Achtecken eingefasst (Taf. I). 
Zunächst bilden sich aneinander sehliessende Kreise, Medaillons 
zu diesen in der manchfaltigsten Abwechselung immer wiederkeh- 
renden Thiergestalten. Die Räume zwischen diesen Kreisen wer- 
den in der Regel durch kleinere Ornamentationen ausgefüllt (Taf. I). 
Nach diesen radförmigen Einfassungen werden bei ältern Schrift- 
stellern die Gewänder und Stoffe nicht selten benannt. 1) So ist 
z. B. nach der Analogie dieser Zeichnungen oft von den vestibus 
circumrotatis et scutelatis (rad- und schildförmigen) die Rede.  
Zuweilen fehlen bei den ältern Stoffen diese geometrischen, immer 
sich wiederholenden Umrandungen, und es spielen darin figürliche 
On peignait aussi    des animaux fabuletlx, tels quc des griffons et des li- 
cornes, des associations bizarres dhnimaux et (Porucments, imitees dans les 
temps ancicns (Tapres lcs etoEes de Plnde, et nommes plus tard des ara- 
hesques. (Emeric-David, histoire de 1a peinture au moyen-äge. Paris 1842, p. 76). 
Et fecit (Leo III) super altare    vestes duas, ex qüibus unam cum rotis 
majoribus, habentem gryphes. Ibid. pag. 211, col. 52, C. 
Item dedit (Humbaud, Bischof von Autun, gestorben bei einem Schiff- 
bruche, von Jerusalem zurückkehrcnd) lineam cortinam (Decke von Leinen) 
altem-um parietem ecclesiae (Kathedr. Antissiod.) festivis diebus decorantem 
regum et imperatomm imaginibus depictam, supra. quam posuit tria prßtißsis- 
sima pallia mille solidorum precii constantia, quorum unum viridis coloris leo- 
nibus, multi color-Tbus circum rotatis fulget, secundum imaginibns regum 
similiter circum rufntis regali modo equitantium pollet; tertium quoque leu- 
nibus auricoloribus circnmrntatiß aspicientibus aridet. (Histor. EPiSCOPOHIIII.) 
Antissiod. cap. 53 De Humbaudo.
        

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