Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5175
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Kunstvereins der Diöcese Rottenburg ein Unternehmen eingeleitet 
worden, das hinsichtlich der gedeihlichen Entwickelung und Re- 
generirung der kirchlichen Stiekkunst nach den Principien und 
den schönen hIustervoi-lagcn des Mittelalters jetzt schon die besten 
Erfolge herbeigeführt hat. Es erschien nämlich im Jahre 1856 
unter der Redaction von Dr. F1. Riess, Pfarrer Dr, Schwarz und 
Pfarrer Laib in Stuttgart, im Verlage der B'rauenzeitung, J. B. 
Äletzler, eine hlonatsschrift unter dem Titel: „Kirchenschmuck, 
ein Archiv für weibliche Iclandarbeit", deren löbliches Bestreben 
dahin gerichtet ist, in Schrift und Bild dahin zu wirken, dass 
die Stickkunst des heutigen Tages an der Hand würdiger und 
mustergültiger Vorbilder von ihrem tiefen Verfalle sich wie- 
der erhebe, und dass die verschiedenen kirchlichen Ornatgegen- 
stände nicht nur in edelcr, kunstgerechter Technik, sondern auch 
mit Anwendung geeigneter, würdevoller Muster ein ernstes kirch- 
liches Gepräge wieder erhalten möchten. Wie sehr ein solches 
Blatt einem dringenden Bedürfnisse entsprach, ist schon daraus 
zu entnehmen, dass sogar in verschiedenen Frauenzeitungen, die 
noch immer in alt hergebrachter Weise mit tändelnden, nichts- 
sagenden Mustern das leicht zu beschwichtigende Modepublicum 
bedienen, in jüngster Zeit vielfach die absurdesten Vorlagen für 
kirchliche Ornamente aufgetischt zu werden begannen, die mit 
dem abgelebten Zopf oder einer missverstandenen, hinkenden Go- 
thik brüderlich Hand in Hand gingen.  Auch hohe kirchliche 
Würdenträger haben der besagten Zeitschrift, der Beiträge namhaf- 
ter Archäologen zufliessen, durch Wort und That eine nachhaltige 
Unterstützung angedeihen lassen, und hat desgleichen die letzte 
 
Dass es einer akatholisehen "Rcdactricc" einer Fraucn- und Modczeitung 
durchaus nicht gelungen ist, im kirchlichen Geiste und in den traditionellen 
Formen des Mittelalters Muster-vorlagen für liturgische Omate zu schaffen, 
die hinsichtlich der Idee, der Form und auch der Technik mit der Würde 
des katholischen Gottesdienstes sich vereinigen, beweisen zur vollen Evidenz 
jene uuerquicklichen, geistlosen und dürren Compositionen und Mustervor- 
lagen, wie sie zu nicht geringem Staunen für Viele, die heute auf dem 
Gebiete der christlichen Kunst alle hinkenden Zwitterformen gerne ausge- 
schlossen sehen möchten, neuerdings im Verlage der Fr. Wagnefschen Buch- 
handlung in Freiburg erschienen sind unter dem Titel: „Album für kirch- 
liebe Handarbeiten. Eine Sammlung von Zeichnungen etc." Wir müssen 
eingestehen, dass solche klägliche Halbheiten unmöglich geeignet sind, 
der kirchlichen Stickkunst bei ihrer Wiederenvec-kung und ihrem Wieder- 
aufleben erspriessliehe Dienste zu leisten, und wollen der anonymen Heraus- 
geberin, die in ihren Compositionen mit der Gothik auf eine ganz jämmer- 
liche Weise herumgesprungen ist, das Sprüehwort zur grümilicheii Beher- 
zigung empfehlen: „Schuster, blcilf bei deinem Leisten?
        

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