Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1637
meistens, weil seine Ausfuhr prohibirt war, durch venetianische und 
jüdische Händler eingeschwärzt wurde, kam aus Byzanz. 1) Tyri- 
scher und alexandrinjscher Purpur war schon im hohen Alterthum 
bekannt. 1) Im Mittelalter, namentlich in der Periode, die uns ge- 
genwärtig zur Besprechung vorliegt, wurden auch kostbare Gewebe 
in Purpurfarbe aus dem Sarrazenischen Spanien und besonders aus 
den blühenden Seiden-Manufaeturen in Almeria bezogen. 3) Eine 
andere in dieser Periode oft vorkommende Farben-Nüance, die auch 
dem Gewebe den Namen gibt, ist das rodinumft) ein rosafarbiger 
Stoff. War der Farbton bei diesem Rosaroth etwas leichter, hel- 
ler gehalten, so führte der Stoff den Namen leucorhodinum; war 
hingegen die Nüancirung dunkler, so nannte man es diarhodina 
oder dirodinum, dirotanum. 5) Das rhodomelina soll ein halb gel- 
ber, halb rother Stoff gewesen sein. Wenn auch in der vorliegenden 
Periode das Tragen von Gewändern von verschiedenen, je nach 
den Kirchenfesten sich bestimmenden Farben noch nicht streng 
geregelt war, indem man bei dem damaligen äusserst hohen Preise 
der Seidenstoffe jene Gewebe zu Cultzwecken benutzte, die bei ver- 
schiedenen Anlässen als Weihgesehenke der Kirche überwiesen, oder 
als solche bei grossen Funeralämtern über die Tumba gebreitet wur- 
den, so {inden sich doch bereits um diese Zeit bei altern Schriftstel- 
lern oder in den Inventarien der Kirchenornate alle jetzt noch übli- 
ehen Hauptfarbentöne vertreten. Die angewandten Farben waren 
echt, wahr und dauerhaft, wie man sich heute noch durch den Au- 
genschein an den wenigen kirchlichen Paramenten, aus jener Zeit 
stammend, zur Genüge überzeugen kann, da noch nicht Speculation 
und Gewinnsucht auf Kosten der Solidität der Stoffe und der Farben 
sich zu bereichern suchte. 
Statt hier weiter noch die vor dem XII. Jahrhundert üblichen 
Farbentöne zu classificiren, wollen wir weiter zu der interessantem 
Frage übergehen: welche Dessins und Ornamentatigngn chamkua 
ex omni partium historia. et cancellis et rosis de chrysoclavo magnae pulchri- 
tudinis deornatam etc. Anast. Bibl. no. 106, Bened. III. 
1) Alexius (impen) 1106 trausmisit beato Benedicto (Monte Cassino) pallium 
purpureum optimum, de quo praedictus abbas pluviale aureis listis et tunicam 
ejusdem subtegiminis fieri jussit. Anast. Biblioth. lib. IV. 
z) Act. Lamprid. lib. 39, und weiter Plautus Pseudolus act. I. sc. II. 
3) Largeco et rohe toute fresche d'une porpre sarrazinesphe. (Guillaumg de 
Lorris.) 
Q) Glossaire med. et inf. Lat. tome V. page 764, col. 3. Rhodinus color. 
5) Dedit etiam Hatte (Bischof von Verdun zur Zeit K. Lothafs) ad ipsum al- 
tare unum vestimentum sacerdotale auro ornatum, platenam, i. e. ex diro- 
tano cum guttis. (Dr. Waitz, Monumenta Germaniae historica script. tom. 
IV. pag. 37, lig. 40).
        

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