Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5125
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realen Wirklichkeit und nicht der idealen, übersinnlichen Welt 
entlehnt, mit naturalistischen F ormbildungen, wie sie am allerwe- 
nigsten für liturgische Gewänder sich eignen dürften. 
lrVas nun die Lage der Stickkunst in Deutschland betrifft, 
so kann mit Recht und ohne Uebertreibung behauptet werden, 
dass da, wo im Mittelalter die Stickkunst, als eine Tochter der 
Kirche, ihre schönsten Triumphe feierte, sie auch heute in er- 
freulichster Weise von ihrer jüngsten Erniedrigung in einem Auf- 
schwungs begriHen ist, der zu den schönsten Erwartungen für 
die Zukunft zu berechtigen scheint. Am Rhcinc sind es vor 
allen die weiblichen Orden, in welchen die kirchliche Stiekkunst 
ihre natürliche Zufluchtstättc gesucht und in neuester Zeit wie- 
der gefunden hat. Dem Orden der Schwestern vom armen Kinde 
Jesu, der in den letzten Jahren nicht nur am Rhein, sondern 
auch in den übrigen Theilen Deutschlands eine rasche Verbrei- 
tung gefunden hat, gebührt, wie das allgemein anerkannt wird, 
das grosse Verdienst, dass er, bei einer lobenswerthen Thätigkeit 
für Erziehung und Ausbildung armer Waisenkinder, auch die 
kirchliche Stickkunst in besondcrn Schutz und Pflege wieder ge- 
nommen habe. 
Bereits vor einigen Jahren wurden im Mutterhause zu Aachen, 
als noch die Modestickereien in WVollenstramin in dem übrigen 
Deutschland ihre Verehrer zählten, Nadelarbeiten angefertigt, die, 
an die edelern Vorbilder des Architekten Pugin anschliessend, 
in besserer Technik wieder die Rückkehr zu den würdigen 
Mustervorlagen des Mittelalters einschlugen. Einige Zeit dauerte 
es jedoch, ehe die Schwestern vom Kinde Jesu in Aachen, 
bei dem Suchen nach alten Originalstickereien die Verschieden- 
artigkeit und Vielfachheit der Technik sich zu eigen gemacht 
hatten, wodurch die schönen Nadelarbeiten des Mittelalters vor 
den tändelnden Flitter- und Effcetstickereien der letzten Decennien 
sich so vortheilhaft auszeichnen. Diese einleitenden Vorarbeiten 
zur Wiederanknüpfung an die verloren gegangenen Fäden der 
altern Stickweise sind im gedachten Kloster heute vollständig 
durchgemacht, und sind von den geschickten Händen der from- 
men Schwestern, die ihrer schönen Kunst nicht aus niedern 
Rücksichten, bloss des Gewinnstes wegen, obliegen, in jüng- 
ster Zeit Kunstwerke in Plattstich wieder zu Tage gefördert 
worden, die, wie wir das hier zu behaupten keinen Anstand 
nehmen, sich den schönsten Meisterwerken des Mittelalters auf 
dem Felde der Nadelmalerei und Bildstickerei sowohl hin- 
sichtlich der Composition als auch der technischen Ausführung
        

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