Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5115
 
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Landsleuten, sondern auch in Frankreich und Belgien für Hebung 
und Wiederbelebung der Stickkunst im Geiste des Mittelalters 
einen grossen Einfluss ausgeübt hat. In Frankreich war es vor 
allen in neuester Zeit der gelehrte Jesuit Abbe Martin, der das 
[Interesse in vielen Kreisen für eine würdevolle kunstgerechte Aus- 
stattung der liturgischen Gewänder durch WVort und Schrift wieder 
anzufachen suchte. Leider ist der verdienstvolle Forscher für die 
kirchliche Kunst, die jetzt eben ihre Wiedergeburt zu feiern beginnt, 
im vorigen Jahre mitten in seiner wissenschaftlich künstlerischen 
Thätigkeit zu Ravenna gestorben. Die geistige Anregung jedoch, die 
er für eine Zurückführung und WViedererhebung der liturgischen Ge- 
wänder zu dem frühern Ernste in ihrer einfachen Würde bei dem 
hohen und niedern Klerus in Frankreich gegeben hat, dauert fort 
und ist heute noch im Wachsen begriffen. Die vortrefflichen Lei- 
stungen der alten Firma Mrs. Le Mire pere et fils zu Lyon in 
Bezug auf Webereien und kirchliche Stickereien, so wie die 
Stickarbeiten von Hubert Menage und J. Kreischgauer zu Paris 
sind Beweise, dass die regen Bemühungen unseres seligen Freun- 
des zur Wviederbelebung der kirchlichen Stickkunst noch lange 
nachhaltig sein werden. 
Italien scheint in derxnächsten Zeit einer Erhebung der kirch- 
lichen Stickkunst vom tiefen Ruine, wie es den Anschein hat, 
noch nicht entgegen zu gehen. 1) Obschon wir in Prag in der 
kaiserlichen Capelle in neuester Zeit Bildstickereien im grossarti- 
gen Umfange bewundert haben, die von Religiösen eines Ordens zu 
Verona im feinsten Plattstich und in grösster Vollendung ausgeführt 
worden sind, so ist leider die Composition in diesen figuralen Sticke- 
reien nicht im Geiste und in der Weise der alt-italienischen Maler- 
Schule nach Art eines Fra Angelico da. Fiesole und seiner Nachfolger 
kirchlich gehalten, sondern Composition und Darstellung sind der 
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i) Wenn der nxodcrne Kunstgeschuiack in Italien sich erst der klassischen Antique 
entwöhnt haben und der gediegenen: Kunstweise seiner christlichen Vor- 
fahren ein nachhaltiges Studium wieder zuwenden wird; mit andern Wor- 
ten, wenn Italien seine alten Basiliken mit der nöthigen Stylstrenge wieder 
herzustellen beginnt und namentlich jene prachtvollen Monumente, die vom 
X. bis XIII. Jahrhundert vorzugsweise das nördliche Italien entstehen 
sah; dann erst wird man auch, nach dem Vorgange der Architektur, zu 
der Erhebung und Regencrirung der übrigen Kunstzweige in folgerechter 
Consequenz überzugeheu geuöthigt sein, und werden dann erst, als eine 
der letzten Cousequenzeu, die durch den Zeitgeschmaek der letzten zwei 
Jahrhunderte ihrer Würde und primitiven Form so sehr beraubten liturgi- 
sehen Gewänder, und damit auch die kirchliche Stickkuust zu den schö- 
nern Formen und Vorbildern des Mittelalters zurückgeführt werden, 
Liturgische Gewänder. Ä 21
        

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