Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5104
314 
können, warfen sich nun auf die Straminstickerei. Die Muster, 
die man von sogenannten "Dessinateurs" zu solchen geistlosen Stra- 
minstickereien verwendete, 1) sind ganz entsprechend der unedeln 
und unkünstlerischen Technik, die man zu Herstellung von sol- 
chen EHectstickereien zur Geltung kommen liess. Die neueste 
Zeit, die man auf dem Gebiete der Stickerei füglich die Periode 
der Straminstickerei nennen könnte, nahm sogar keinen Anstand, 
diese kläglichen Arbeiten, in grober Wolle ausgeführt, die bei 
Klingelzügen und Ruhekissen vielleicht an ihrem Orte sein mögen, 
sogar bis an die Stufen des Altars zur Ausstattung der liturgi- 
schen Gewänder gelangen zu lassen. Bis zu diesem Punkte der 
Erniedrigung war in den letzten Decennien die von unsern Vor- 
fahren so hochgeehrte und geübte Kunst im Dienste des Altars 
gekommen. 
Da wurde, von England ausgehend, in neuester Zeit, als 
auch der kirchliche Geist wieder zur Erstarkung gekommen war, 
der erste Impuls zu einer Regenerirung der Kunst und zur Zu- 
rückführung derselben auf die lange verkannten Principien des 
Mittelalters angebahnt. Wir übergehen hier die nähern Angaben, 
wie diese Entwickelung, von der Architektur ausgehend, sich in 
unglaublich kurzer Zeit auf alle übrigen verwandten Zweigkünste 
ausdehnte, und geben nur an, dass gerade der Mann, der, als 
unermüdlicher Vorkämpfer, die Architektur zu den Regeln und 
Normen des Mittelalters mit Glück zurückführte, auch auf dem 
Gebiete der kirchlichen Stickkunst in England einen vollständigen 
Umschwung zum Bessern herbeiführte. Es erschien nämlich im 
Jahre 1848 von dem unermüdlichen Pugin auch ein kleines lrVerk- 
chen: "Embroideries of the mediaeval, London by Parker", 
worin der geniale Architekt unter Hinzufügung von mehrern klei- 
nen Zeichnungen über Form und Technik der Stickerei im Mit- 
telalter sich näher verbreitet und wodurch er, nicht nur bei seinen 
Vor wenigen Wochen erschienen im Verlage von Daniel Wüste in Köln 
zwanglose Hefte in Farbendruck, die, wie es scheint, der beliebten moder- 
nen Straminstickerei auf's Neue Vorschub leisten wollen. Wenn auch 
einigen Compositionen in diesen Blättern ein Kunstwerth nicht abzusprechen 
ist, und sie um Vieles den Vorzug verdienen vor den trockenen, geistlosen 
Compositionen unserer heutigen „pariser Dessinatcurs", so haben wir bei 
dieser Herausgabe, von unserm Standpunkt aus, nur das Eine zu beklagen, 
dass in diesen Mustervorlagen immer wieder dem Kreuzstich in Wollen- 
stramin das Wort geredet wird, und Zeichnungen und Compositionen für 
eine edelere. mehr künstlerische Technik durchaus nicht zur Vorlage kom- 
men, abgesehen auch davon, dass das Werk ohne irgend einen Text über 
die geschichtliche Entwickelung der Stickerei und ohne technische Erklä- 
rungen in die Welt geschickt wird.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.