Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5058
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in ihren Umrissen mit einem Seidencordonnet umzogen und auf solche 
Weise dieselben befestigt. Die Composition dieses Apostelbildes 
zeigt deutlich an, dass der Maler, der dem Bildsticker zu diesem 
Kniestüeke die Skizze lieferte, schon vollständig nach den neuen 
italienischen Formen sich gebildet hatte. Die i-Xuftitssung und Hal- 
tung bekundet viele Aehnlichkeitexl mit den vielbewunderten Apostel- 
Statuen von Peter Vischer am Scbaldus-Grrzibmalc zu Nürnberg. 
Auch der reiche Faltenbrueh des Gewandes in runden wellen- 
ftirmigen Linien zeigt deutlich an, dass zur Zeit, als diese Stickerei 
angefertigt wurde, die Renaissance ihre lltrrrschaft schon vollständig 
auch auf diesem Gebiete des künstlerischen Schalfens vollendet hatte. 
Die Köpfe, so wie das Inearilat der Hände sind in fleischfztrbigem 
feinem Atlas gehalten, der datdurch seine Anwendung gefunden 
hat, dass man das ganze ltledaillon auf fleischfarbigem Taflet so 
als Grundlage stiekte, (lamit bei diesen erstgenannten lncarna- 
tionstheilen der Grundstoff des Atlas zum Vorschein treten konnte. 
Die einzelnen Umrisse der Hände und der männlich ernst gehal- 
tenen Gesichtszüge sind mit dunkeler Seide in wagereehten Stichen 
auf dem Atlas erzielt werden; desgleichen auch Haupt- und 
Barthaare. 
 Inder vorliegenden Abhandlung haben wir es nach besten 
Kräften versucht, bei fast gänzliehem Mangel an gleichartigen 
Vorarbeiten in dem engen Raume von wenigen Druckbogen eine 
geschichtliche llebersieht über den Entwickelungsgatig, den die 
Stiekkunst an der Hand der Kirche im Mittelalter genommen 
hat, nachzuweisen. Wir betrachten diese Notizen bloss als eine 
anleitende Vorarbeit, die ein kundigerer Nachfolger dazu benutzen 
dürfte, um vielleicht in späterer Zeit die archäologischen Wis- 
senschaften mit einem umfangreichem Werke über diesen seither 
wenig beachteten und gar nicht bebauten Zweig kirchlich-mittel- 
alterlicher Kunst zu bereichern. 
Schliesslich sei es uns vergönnt, der Vollständigkeit. wegen, 
noch einige allgemeine Bemerkungen hinzuzufügen über den all- 
mäligen Verfall der kirchlichen Stickkunst in den letzten drei 
Jahrhunderten und über das Wiederaufleben der religiösen Na- 
delmalereien in der jüngsten Zeit. 
An die Nadelmalereien der Renaissance wurden, bei dem viel- 
fach willkürlich veränderten Schnitt der alten Messornate, Erfor- 
dernisse anderer Art gestellt, als solche bei den liturgischen Ge- 
wändern des Mittelalters zur Bedingung gemaeht wurden. Die 
Stickerei an den faltenreiehern mittelalterlichen Gewändern musste 
elne zartere und leichtere sein, damit bei der weitern Form der
        

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