Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5044
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man gewöhnlich „Styl" nennt, sondern das Ornament bricht diese 
Fessel, ergeht sich in mztassltisen Freiheiten und ahmt dabei 
nach mit mehr oder weniger Glück die Formen des griechischen 
Akanthusblattes mit seinen bekannten Anhängseln; zuweilen er- 
scheint auch in neuer Auflage jenes Lztubwerk, welches als ein stereo- 
types, immer wiederkehrendes Ornament auf römischen oder grie- 
chischen Vasen sich vorfindct, oder auf verwandten Ürnamenten, 
wie sie in ponipejttnischen Wandmalereien und anderswo aus der 
klassischen Cäsarenzeit herrührend, vorkommen. Der kölner 
Dom besitzt noch eine reich gestickte Capclle, worin sowohl die 
figuralen Stickereien in Geld als auch die angewandten Laubdecora- 
tionen vollständig den Eintritt der Renaissance anzeigen ; jedoch las- 
sen die vielen gesticktem Figuren in der Drzippirung der Gewänder, 
vorzüglich aber in der lächandlting der Technik Nachklänge an 
das Blittclalter noch deutlich durchblicken. Auch unsere Sammlung 
hat eine grössiere Zahl jener reichern Goldstiekcreien mit figürlichen 
Darstellungen in Plattstich atufztiweisen, die deutlich besagen, dass 
gegen Mitte des XVI, Jahrhunderts die neuen Formen der Re- 
naissance, die in ihrer affectirten Stylreinheit nur von kurzer 
Dauer waren, sich vollständig auch in der kirchlichen Stickkunst 
festgesetzt hatten. Die meisten dieser Stickereien scheinen uns 
aus den berühmten lNIanufacturen Flanderns herzustammen. In 
der Regel sind die geschichtlichen Scenen aus dem Leben des Hei- 
landes und seiner Heiligen in llledaillons gefasst, die in Laubwin- 
dungcn nach kurzen Zwischenräumen sich wiederholen. Die Technik 
an diesen Nadelmalereien ist eine äusserst brillante und vorzügliche 
und sind die sammtliehen Figur- und Laubwerkstickereicn über 
dicht neben einander liegenden Goldfäden ausgeführt. 
Um den Lesern dieser Blätter den nach Ablauf des Mittel- 
alters zu Ansehen und Würde gelangten neuen Styl der Re- 
naissance aueh im Bilde zu veranschaulichen, haben wir auf Tafel 
XIX. die farbige Copie einer vortrefflichen Stickerei mitgetheilt, wie 
dieselbe, wahrscheinlich den Apostel Bartholomaus veranschauli- 
chend und aus der Mitte des XVI. Jahrhunderts herstammend, in un- 
serer Sammlung vorkommt. Dieses kunstreieh gestickte Medaillons, 
im grössten Durchmesser von 19 Centimeter, befindet sich mit 
ähnlich gestickten Apostelbildern auf einem Grunde von rothem 
genueser Sammet, auf welchem sich ein zierliches Rankenwerk 
der Renaissance verzweigt. _Das eben gedachte Laubwerk ist aus 
schwerer goldgelber Seide ausgeschitten und mit unterlegtem Papier 
auf diesen Sammetstotf aufgeklebt; darauf hat dann der Kunst- 
sticker die ausgeschnittenen und aufgeklebten Blätter-Ornamente
        

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