Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-5009
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waren. In unsern in letzten Jahren angesammelten mittelalterlichen 
Schatzverzeichnisscn finden sich mehrere solcher gestickten kost- 
baren Hbursae" angeführt. Jedoch werden in keinem dieser Ver- 
zeichnisse der Zahl nach so viele namhaft gemacht, wie in den 
uns vorliegenden Original-lnventareii der ehemaligen liturgischen 
Kunstschätze in der St. Sebalduskirchc zu Nürnberg. In einem 
dieser für das Studium der altliturgischen (icwäntler äusserst 
wverthvollcn Inventare führt nämlich eine Abtheilung die Ueber- 
schritt: „Corporaltaschen", und werden unter Lit. C. unter die- 
ser Rubrik aufgeführt, in ziemlich detzrillirtcr Beschreibung, im 
Ganzen 24 verschiedene "bursae" in allen Farben, meistens 
in Sammet und fast alle mit Figuren und mit Perlen reich be- 
stickt. Aufliilleuderwcisc ist eine dieser Corporaltaschen hinsieht- 
lich ihrer Figuren- und Perlstickcrcicn vollständig übereinstim- 
mend mit der reichen in unserm Besitze sich befindlichen Corporal- 
tasehc, wie sie auf Tafel XVII. abgebildet und vorher beschrieben 
werden ist. Es heisst nämlich unter Nr. 3 daselbst wörtlich wie 
folgt: Jim braun glattsanunete Corporaltaschen mit dem Crucifix, 
Maria und Johannes, mit wenig perlein sambt- vier pcrlenen 
Knöpffen." Haben wir auf Tafel XVII. den Lesern dieser No- 
tizen über mittelalterliche kirchliche Stickereien eine Abbildung 
vorgeführt, wodurch veranschaulicht wird, wie in der letzten Hälfte 
des XV. Jahrhunderts die Bildsticker in Zünften und Klöstern es 
verstanden, mit der Nadel die schwierigsten Malereien in Seide zur 
Ausführung zu bringen, so soll Tafel XVIII. in einer stylgetrcuen 
Abbildung zum Beweise dienen, dass man auch gegen Schluss 
des XV. Jahrhunderts es nicht ausser Acht liess, mit Verhältniss- 
massig wenigen Mitteln und einfachem Material liturgische Ge- 
wänder künstlerisch auszustatten. Namentlich war es das Mess- 
gewand für den täglichen Gebrauch, so wie für den Gebrauch 
am Sonntage, das in dem hintern Kreuz und dem vordern Balken 
eines einfachen gestickten Ornamentes bedurfte, das sich ohne Auf- 
wand von zu grossen Kosten herstellen liess. Die auf Tafel XVIII. 
abgebildete Stickerei ist auf einem feinen Wollenstoff von rothcrFarbe 
ausgeführt und findet sich vor in unserer Sammlung. Bekanntlich ist 
es liturgisch Lintersagt, bei Messgewäntlern Stoffe, die von der Wolle 
der Thiere herrühren, zur Anwendung kommen zu lassen. Nur der 
Orden der Franciscaner hatte die Licenz sich erwirkt, solche 
Messgewänder ausnahmsweise in seinen Ürdcnskirehen tragen zu 
dürfen, die angefertigt waren aus lvollenstoffen, damit auf diese 
Weise auch selbst an den Kirchcngewändern das strenge Gelübde 
der Armuth, das sie abgelegt hatten, zur Geltung kommen Süllte-
        

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