Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4996
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nämlich jedesmal zwei Goldfatlen zusammengefügt und nach kur- 
zen Zwischenräumen mit feinen Ueberfangstichen befestigt. Diese 
Üeberfangstiche bilden, wie es auch die Zeichnung anzeigt, rhom- 
boitlenförmige Vierecke, die in der Mitte in Ueberfangstichen 
noch ein kleineres Quadrat darstellen. Um die Figur des Hei- 
landes am Kreuze mit der Pztssionsgruplae auf dem gestickten 
Goldgrund etwas erhaben hervortreten zu lassen, hat der Bild- 
sticker seine Figuren zuerst von geübter Meisterhand auf Lein- 
wand zeichnen lassen, und alsdann unmittelbar auf dieser Zeich- 
nung seine Darstellungen mit zarter Flockseide in Plattstich so 
ausgeführt, wie sie in dieser Zartheit und Weichheit der hlalenmit 
seinem Pinsel nicht lebensvoller hatte wiedergeben können. Bei 
der Üebertragung dieser drei Figuren von dem Stickrahmen auf 
den vorher präparirten Goldfond hat der Künstler es nicht ver- 
gessen, seine Bildwerke mit einer schwarzen Contour in den 
aussern Umrissen zu umziehen und auf diese Weise sie _auf dem 
Fond der "bursa" zu befestigen. Sowohl die Gewand-y als auch 
die Incarnationstheile sind mit einem regelmassigen, über vier Fa- 
den fortspringenden Plattstich ausgeführt. Besonders ist es dem 
Bildsticker gelungen, die Gesichtszüge mit vieler Naturwahrheit 
so zu sticken, dass keine anatomische Verstösse oder Verzerrungen, 
durch die Technik herbeigeführt, zum Vorschein treten. Die 
Hauptränder der Gewänder, so wie das Schürztuch des Heilandes 
sind sämmtlich in feinen orientalischen Perlen ausgeführt. Auch 
die Heiligenscheine waren ehemals in der äussern fliiprantlrlpg 
durch grössere Perlen angedeutet, die heute leider e en. n 
den vier Ecken erblickt man auf seidenen Unterlagen als 
Knüpfchen kleinere in feinen Perlen gestickte Rosen im Fünf- 
blatte. Dieses Ornament, in Perlen gestickt, ist auch zu beiden 
Seiten des Gekreuzigten angewandt und sollen diese Ornamente viel- 
leicht vorstellen Sonne und Mond, die, allegorisch gehalten, bei mit- 
telalterlichenBildwerken der Kreuzigung selten fehlten. Die hintere 
Seite dieser als eine hervorragende Bildstickerei aus dem Schlusse 
des XV. Jahrhunderts in unserer Sammlung sich befindlichen Cor- 
poraltasehe ist einfach mit einem gothisch gemusterten Blausam- 
met überzogen, und hat dieselbe oben eine kleine Klappe, die 
durch eine Vorrichtung nach hinten zugeknöpft werden konnte. 
Solche reich gestickten Corporaltäschchen haben wir häufig in Sa- 
eristeien grösserer Kirchen angetroffen, und gehörte zu solchen 
Corporalen oder Bursen immer auch eine entsprechend in Bildern 
mit Perlen gestickte "palla", zur Bedeckung des Kelches, die den 
Rubriken gemäss auf der Kehrseite mit feinem Leinen überzogen
        

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