Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4978
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verweist und ihm das ernste llrort verhält: Jjehorsam ist des Rit- 
ters erste Pfiicht." Dieser interessante Teppich dürfte unserer An- 
sicht nach, hinsichtlich seiner Detailformen, aus der Blüthezeit 
deutscher Meistersänger, dem Schlusse des XIII. Jahrhunderts 
oder dem Beginn des XIV. Jahrhunderts herrühren. 
In eben beschriebener Weise, wie die Teppichsticker im 
XV. Jahrhundert es vielfach versuchten, in Tuch inosaikmässig 
grössere {igürliche Darstellungen zuwcge zu bringen, so begann 
auch der Bildsticker, für liturgische Gewänder durch grösserc 
und kleinere farbige (lompartimente aus Seide und Atlas für 
billigen Preis das herzustellen, was seine kunstgeübten Vor- 
gänger in den vorhergehenden Jahrhunderten durch die schwie- 
rige und zeitraubende, aber auch bedeutend künstlichere Stik- 
kerei in feinen Plattstiehen hervorzubringen gewusst hatten. S0 
haben wir eine grüssere Zahl von Messgewändern in verschie- 
denen Gegenden vorgefunden, an Welchen in der eben bezeich- 
neten Weise der Heiland am Kreuze mit der Passionsgruppe 
Johannes und Maria dargestellt ist, figuralisch zusammengesetzt 
aus vielen (lonipzirtimenten von uni-farbiger Seide. Die Contou- 
ren dieser kleinen Mosaikbilder in Seide sind mit starkgedrehten Sei- 
denfäden oder Goldcordonnet abgefasst. Die Köpfe und die übrigen 
Inearnationsthcile sind manchmal in einzelnen Umrissen, manchmal 
aber auch in ihrer Ganzheit in trockenen lßlarben beigemalt, wodurch 
der Verfall der Bildstiekerei schon deutlich angezeigt Wird. Desglei- 
chen begann man auch gegen. lNIitte des XVI. Jahrhunderts die 
grüssern Schwenkfahnen undBanner in ihren weiten Flächen mit sol- 
chen musivischen Bildstickereien zu beleben, jedoch mit dem Unter- 
schiede von der eben gedachten ügilrlichen Mosaikstiekerei im 
kleinern Umfange, als Stäbe an liturgischen Gewändern, dass 
diese grüssern, aus farbigem Taüet zusammengesetzten Bildwerke 
transparent gestickt werden mussten. Die Hauptaufgabe bei dic- 
sen grossen Figurstiekereien an Fahnen, in Weise von Mosaik, 
besteht vornehmlich darin, dass der Sticker in eigener Weise seine 
Verbindungsnähte so zusammenfügt, dass keine Auftrennung 
der Naht, noch Brechen der Seide beim Ausbreiten der Fahne 
möglich ist, Natürlicherweise wurden bei diesen zusammenge- 
setzten Fahnenbildern aus der Spittzeit des lilittelalters die Schat- 
tirungen der Gewänder und die Gesiehtsbildungen nicht durch 
Stickerei, sondern durch eine leichte transparente Malerei er- 
zielt. In neuester Zeit hat leider die Malerei sowohl bei den 
Vßrtrßgß, als auch bei den Sekwenkfathnen die früher übliche 
Bildstickerei vollständig verdrängt. und muss man es denn heute 
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