Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4968
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kleinern Stücken von vielfarbigem Tuche mosaikartig zusam- 
mengesetzt waren. WVenn in diesen Teppiehwerken von Tuch 
bildliche Darstellungen erzielt werden sollten, so pflegte der 
Sticker das zu thun, was auch der Glasbrenncr bei Einrich- 
tung und Zusammenstellung seiner grössern Glasmalereien vorzu- 
nehmen gehalten war. Die Vverfertiger dieser, wenn wir so sa- 
gen sollen, IIHISlVlSClIGII Teppiehstickereien, schnitten nämlich nach 
Maassgabe der gewählten Zeichnung aus verschiedenfarbigem 
Tuehe jene grössern und kleinern Stücke aus, wie sie in ihrer Zu- 
sammenfügung das fragliche Ornament oder die beabsichtigte Zeich- 
nung erforderte. Auf gleiche Weise setzte auch der Glaswirkcr 
und Glasbrenner seine Figuren aus verschiedenen Stücken von 
farbigem Glas zusammen. Wie nun der Glaswirker durch einen ver- 
bindenden Bleistreifen die verschiedenen farbigen und eingebrannten 
Glascompartimente zu einer Figur musivisch vereinigte, so verband 
auch der Teppichsticker die einzelnen nach vorliegendem Muster 
geschnittenen Tuchtheile durch eine feste Doppelnaht in Kreuz- 
stichen und bedeckte dann diese Verbindungsnähte häufig durch 
dünne platte Riemchen, die auf der äussern Seite stark vergoldet 
waren. Diese Goldriemchen, durch Ueberfangstiche auf den 
Teppich applicirt, bildeten alsdann bei sammtlichen Figuren und 
Ornamenten die einfassenden Contouren, wie bei den gebrannten 
figuralen Fenster-Mosaiken dies durch die Verbleiungen hervor- 
gebracht wird. 
Das erzbischöfliche Museum zu Köln besitzt ein solches grösse- 
res Teppichwerk, das, aus der Pfarrkirche von Kerpen herrüh- 
rend, heute sehr schadhaft geworden ist und grosse gothisehe Laub- 
Ornamente zeigt, die vielfarbig aus verschiedenen Tuchstücken zusam- 
mengesetzt sind, deren Verbindungsnähte, wie eben gesagt, durch 
dünne Lederriemchen überdeckt worden sind. Auch unsere 
Sammlung hat mehrere solcher Teppiehwerke aufzuweisen, die in 
der eben angegebenen Technik vielfarbig zusammengesetzt sind. 
So findet sich unter andern in derselben vor eine merkwürdige 
Teppiehstickerei aus vielfarbigen kleinen Tuchcompartimenten 
zusammengesetzt, in welcher zur Darstellung gebracht ist jene 
schöne Legende, die von Schiller unter dem Namen „der Kampf 
mit dem Drachen" so trefflich bearbeitet worden ist. Unter 
frühgothisehen Kleeblattbogen sieht man nämlich in kleinem 
Scenen: wie der Ritter sein Pferd an den Anblick des Drachen 
gewöhnt, wie er darauf den Kampf mit dem Lindwurm wagt, 
ihn besiegt und tüdtet; alsdann erscheint er vor dem stren- 
gen Ordensmeister, der ihn strafend auf die Ordensgesetze
        

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