Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1619
nun, von Welcher Art und Beschaffenheit in Bezug auf Material, 
Farbe, Weberei und Zeichnung die reichen Stoffe gewesen 
sind, die bereits in dieser frühen Zeit zu gottesdienstlichen Zwek- 
ken verwandt wurden, so gibt auch hier der bereits mehrer- 
wähnte römische Presbyter Anastasius (T 886) 1) ausführlichen Be- 
seheid. Er unterlasst es nämlich nicht, bei der Lebensbeschreibung 
der einzelnen Päpste von Petrus bis auf Nicolaus 1., namentlich 
aber bei den Päpsten seines Zeitalters, auf die grossartigen Schen- 
kungen hinzuweisen, welche die römischen Pontifices an kostbaren 
Ornaten und Gewandstofen den Kirchen Roms und des übrigen 
Italiens gemacht haben. Dass die theuern Stoffe dieser Periode 
meistens aus Griechenland, aus Byzanz kamen, geht schon aus der 
meist griechischen Benennung der Stoffe hervor; indessen ist es 
eine noch ungelöste Streitfrage, die stofiliche Beschaffenheit des Ma- 
terials und die Art und Weise der Textur aus den von Anastasius 
und den übrigen Schriftstellern seiner Zeit so vielfach gebrauchten 
Benennungen zu entwickeln. S0 benannte er viele Gewebe mit 
dem Ausdrucke „chrys0elavum, auroclavum"; andere mit dem Worte 
"fundatum". Wahrscheinlich bezeichnen diese Termen kostbare 
SeidenstoHe, die mit Goldfäden durchwebt sind. Ein anderes, nicht 
weniger kostbares Gewebe ähnlicher Art, das um diese Zeit sowohl 
bei den Altargewändernß) als auch bei den Kleidern der Fürsten 
und Grossen in Anwendung kommt, nannte man "blatthin oder 
blattatia) Leute vom Fach lassen es unentschieden, ob vielleicht 
unter der Bezeichnung ßblatthin" Sammetzeug oder cramoisinrother 
Satin zu verstehen sei. Ein anderes Gewebe nennt Anastasius „mi- 
zillus, imizinum, mizinum". Dem Glossarium von Du Cange zufolge 
soll dieses ein sehr leichter Seidenstoff gewesen sein von derselben 
Art, wie ihn noch heute die Italiäner unter dem Namen: Perme- 
sino 4) anfertigen. Eine Menge andere Stoffe iiguriren bei dem 
oft genannten Biographen unter der Bezeichnung: quadruplumß) 
quadrapola, octapulumß) Einige glauben darin ein Gewebe zu 
1) Vergl. hierzu seine Lebensbeschreibung in der Encyelopädie von Wetzer 8m, 
Freiburg 1847, I. B.  
2) N0. 98, Leo III. A. C. 795 (Ibid. pag. 196, col. 1,  
3) Sub huius episcopatu     venerunt de Grzecia Pallia olobera, blauen cum 
tabulis aureo teetis de chlamyde vel de Stola, imperiali, sufütoxium super con- 
fessionem beati Petri Apostoli. Anast. Biblioth. N0. 53. S. Hormisdas A, 
C. 514. 
4) Du Gange, Glossarium med. et inf. Latin. tom. III. pag. 767, col. 2 e; 3. 
5) ,     fecit vela syrica. numero quinquaginta. septem, omnia. ex palliis qua- 
drapolis seu stauracin." Id. N0. 97 L. Iladr. A. C. 772. (Ibidem pag. 187, 
col. 2,  
6) Velum de octapulo unum. Id. N0. 103 Greg. IV A. C. S27.
        

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