Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4927
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Ordenscapelle bei feierlichem Gottesdienste gebraucht wurden. 
Es sind vornehmlich dazu zu rechnen: ein Messgewand, mehrere 
Dalmatiken, Pluvialen, so wie auch einzelne Vorhänge, "tapisseries 
historiees", die entweder im Gebrauche waren, um die verschie- 
denen Schautische damit zu bekleiden, worauf die Ordens- 
Insignien und reichen Utensilien niedergelegt wurden, die bei den 
Ordensfesten vom goldenen Vliess in Anwendung kamen, oder es 
waren die Abschlusswände des Chores, die Fensterbrüstungen im 
engern Presbyterium, zu welcher Annahme wir uns lieber hinnei- 
gen möchten, damit bei solennen Gelegenheiten um den Altar 
herum auf's reichste bedeckt. Unmöglich kann es unsere Ab- 
sicht sein, hier eine weitere Beschreibung dieser unvergleichlich 
kostbar gestickten Prachtgewänder folgen zu lassen, da es einmal 
die Grenze dieses WVerkes zu sehr überschreiten würde und es 
auch den Anschein nehmen könnte, einem lobensurerthen Unter- 
nehmen vorzugreifen, das gegenwärtig in Wien vorbereitet wird. 
Angeregt durch die stylgetreue Copirung der Kleinodien des 
h. deutsch-römischen Reiches, wozu uns die Allerhöchste Erlaub- 
niss grossmüthigst ertheilt wurde, hat Professor Rösner in Wien 
eben vor Beendigung unserer Arbeiten daselbst es unternommen, 
durch zwei geübte Künstler, die auch theilweise bei Abzeichnung 
der Kleinodien thätig gewesen waren, die vielen Bildwerke der 
eben gedachten "toison-dßr-Gewänder" für Herausgabe eines 
grössern Werkes, wie verlautete, abzeichnen zu lassen. Wir be- 
schränken uns deswegen darauf, Freunde der mittelalterlichen 
Nadelmalerei vorläufig auf dieses Unternehmen aufmerksam zu 
machen. Wenn der Text eben so eingehend und umfangreich 
behandelt werden wird, wie die Copieen stylgetreu und brillant 
hergestellt wurden, so dürfte dasselbe in jederBeziehung den pracht- 
voll gestickten Ornaten würdig zur Seite stehen und würden die ar- 
chäologischen Wissenschaften dadurch um Vieles bereichert werden. 
Im Vorbeigehen bemerken wir noch hinsichtlich der eben gedachten 
Frontalbehänge, dass dieselben mit dem höchsten Aufwande aller 
technischen Hülfsmittel in grössern Bildwerken repräsentiren 
sitzende Darstellungen der Apostel und Propheten, so wie auch 
Scenen aus dem Neuen Testamente. Offenbar rühren die Com- 
positionen jener vielen Bildwerke, wie man sie nicht genugsaln 
auf den Vorhängen, dem Messgewande, den Leviten und Pluvia- 
len bewundern kann, von hervorragenden Meistern der Handrischen 
Maler-schule her und würde der Entwurf derselben einem der 
Gebrüder van Eyck würdig anstehen. Die Ausführung der zahl- 
reichen kleinern Bildwerke, namentlich auf dem herrlichen Mess-
        

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