Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4907
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Wir haben oben bereits zugegeben, dass diese "oeuvrcs d'Ar- 
ras", namentlich die grössern, reich scenerirte Teppichwerke bil- 
deten, die als "haute-lisse" durch die Kunst des Webens erzielt 
waren; es ist aber auch darauf hingewiesen worden, dass zu diesen 
muvraeges dC-lrras" insbesondere gezählt wurden Stickereien mit 
figurenreichen Darstellungen, wie man sie, meistens aus dem Schlusse 
des XV. Jahrhunderts herstammend, heute noch vielfach von be- 
sonderer Vorzüglichkcit in grössern Sacristeien antrillt. Worin be- 
stand nun die eigenthümliche Anfertigungsweise und die grosse 
Vollendung der Stickereien von Arras, die in alten Verzeichnissen 
unter der Benennung "arassa", fast als Collectivbezeichnung 
überhaupt für reiche Bildstickereicn vorkommen? Diese rei- 
chen Stickereien von Arras waren meistens "battuz en  
wie die alten Inventare angeben.  Wie aber, so fragen wir 
weiter, kann auf geschlagenem Golde „or battu" eine Stickerei 
ausgeführt werden? Wie es uns scheinen will, haben französische 
Gelehrte noch nicht erfasst und hinlänglich auseinander gesetzt, 
wie eine solche Stickerei von Arras „en or battu" technisch be- 
schaffen war, und ist dies wohl der Ursache zuzuschreiben, dass 
die Letztgenannten mit dem praktischen Theile der Stickerei nicht 
ausreichend bekannt sind und auch wohl weniger Umschau unter 
den heute noch vorfindlichen Stickereien von Arras gehalten ha- 
ben. Der Ausdruck „brodc a or battu" ist nämlich, unserer An- 
sicht nach, technisch so zu erklären. Man präparirte in gezogenen 
Goldfäden, die äusserst dicht neben einander gefügt und durch 
Ueberfangstiche in zarter Seide auf einem leinenen Unterstoffe 
befestigt wurden, eine Grundlage, die einen hellen Glanz ver- 
breitete und fast wie „gehämmertes Gold" aussah. Die so gebil- 
dete goldene Fläche wurde alsdann von den Kunststickern zu 
Arras als Unterlage, Fond, für ihre ügurenreichen Bildst.ickereien 
so benutzt, dass sie über die je zwei und zwei zusammengefügten 
Goldfaden in transversalen Ueberfangstichen jene wachsenden 
Farbennüancirtingen, in feiner Haarseide gestickt, so anzubringen 
wussten, dass dadurch die beabsichtigte Zeichnung zur Darstellung 
kam. Und nicht nur wurden so reiche Pflanzen-Ornamente erzielt 
als Stickereien, ausgeführt auf diesem gelegten Goldgrunde, sondern 
es wurden auch meistens in Rundmedaillons einzelne Standbilder 
von Heiligen, desgleichen vielgestaltige Scenen, dem Alten und Neuen 
Testamente entlehnt, in mehrern Farbenschattirungen mit höchster 
D 
Oeuvres complätes du 
zome III. page 163. 
roi 
Renä, 
publiäes 
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comte 
de 
Quatrebarbes.
        

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