Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4890
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Bischof von Gubbio, auf den Stuhl Petri erhoben worden war. 
Was die Technik betrifft, so verrathexi die vielen in Gold und Seide 
gesticktem Heiligenfiguren und grössern bildlichen Darstellungen auf 
den noch erhaltenen Stäben, dass die Ornatsticker zu Arras sogar ge- 
gen Mitte des XVI. Jahrhunderts nicht nur die alte Meisterschaft 
und grosse manuelle Fertigkeit im Sticken noch bewahrt hatten, 
sondern dass auch in der Composition und Drappirung der ge- 
stiekten Figuren die Darstellungsweise des eben zum Abschluss 
gekommenen Mittelalters sich meistens noch gerettet hatte. Die 
Tradition zu Gubbio gibt heute noch an, dass Marcellus II. die- 
sen reichen Prachtornat von den Bildstiekern zu Arras habe an- 
fertigen lassen. Ein Beweis also, dass, wie wir auf Seite 257 
der vorliegenden Abtheilung weiter andeuteten, Italien auch noch 
gegen Mitte des XVI. Jahrhunderts nicht die Bildstickerei zu 
kirchlichen Gewändern in grösserm Umfange mit besonderer Vor- 
zügliehkeit handhabte, sondern dass vorzugsweise diesseit der 
Berge in Zünften und Innungen für den grossen Weltmarkt diese 
Kunsterzeugnisse entstanden sind. Leider hat vor einigen Jahren 
die Gewinnsucht und die Interesselosigkeit für solche hervorra- 
gende Ueberreste eines altern , untergegangenen Kunstzweiges 
den reich in Golddessins durchwebten Grundstoff dieser "Mar- 
cellus-Capelle" zu Gubbio losgetrennt und eingeschmolzen, wie 
das ein befreundeter Künstler, der an Ort und Stelle die eben 
gedachten Stickereien von Arras in Augenschein genommen, uns 
mitgetheilt hat. 
In Bezug auf die Entstehung und das Alter dieses in Arras 
einige Jahrhunderte hindurch geübten Kunstzweiges bemerken 
wir noch Folgendes. Schon unter Karl V., König von Frank- 
reich, geschieht in einem Inventar desselben einer grossen Bild- 
wirkerci Erwähnung, die genannt wird „oeuvre diArras", und 
heisst es dabei, dass sie mit vielen historischen Bildern, dem Al- 
ten Testamente entlehnt, künstlerisch ausgestattet gewesen sei. 1) 
Auch "schon um die Mitte des XIV. Jahrhunderts kommen reich 
gestickte Besatze in Goldfäden vor, unter dem Namen „orfroyes 
diArras". Desgleichen werden in dem ITGStQITIGIItG des Königs 
fiilghard III. vlgn. England (gegenKIBQS emzellge Gäwändler dange- 
ü rt, wa rsc e1n 1c zu cm ronungsornae ge ören , ie er 
seinem Nachfolger vermachte. Es heisst darin nämlich: „Omnes 
vestes de Ara(s) nostro remaneant successori." 2) 
1) Revue areheologique, VII. annee, II. partie, 1851, pagc 744, Nr. 356. 
2) Testam. Riehardi IL reg. Augl. apud Rymer, Foedera, ed. tert., tom. III., 
pars IV. pag. 158, col. 2. 
        

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