Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4879
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einen einfachen Verbrennungsprocess in klingende Münze zu ver- 
wandeln seien. 
Nachdem im Vorhergehenden in Kürze aufgezählt worden 
ist, was in verschiedenen Gegenden Deutschlands von kunstreichen 
kirchlichen Stickereien heute noch aus dem XV. Jahrhundert, 
der Glanzepoche dieses Kunstzweiges herrührend, angetroffen wird, 
wollen wir im Folgenden vorübergehend darauf hindeuten, welche 
Städte in den vormaligen flandrischen und burgundischen Lan- 
den in Anfertigung von kostbaren liturgischen WVirkereien und 
Stickereien, wie Köln und Nürnberg, sich ehemals ausgezeich- 
net haben.  Vor allen führen wir hier an das kunst- und 
industriereiche Brügge, das im Mittelalter, wie wir in der ersten 
Abtheilung dieses Werkes Seite 77 und 78 gesehen haben, auch in 
Anfertigung von Seiden- und Sammetstoffcn eine grosse Berühmt- 
heit erlangt hatte. Desgleichen sah Harlem in Südholland, nicht 
weniger ausgezeichnet durch vortreffliche Meister in der Malerei, 
auch in seinen Mauern die Stickkunst zu grosser Blüthe gefördert 
werden. So nahmen wir neulich bei einem Paramentenhändler in 
Brüssel ausgezeichnete Stabstickereien eines reichen Messornates in 
Augenschein, die, irren wir nicht, aus Harlem herrührten und in 
Restauration begriffen waren. Nicht weniger war die alte Industrie- 
stadt Mecheln wie in der umfangreichen Anfertigung von gewebten 
Tüchern und in der spätern WVirkerei von kunstreichen Spitzen (den- 
telles, guis-pures) so auch gegen Ausgang des Mittelalters vielfach 
thätig, für gottesdienstliche Zwecke reiche Stickereien anzufertigen. 
Ausser Rheims in der Champagne, der alten Salbungs- und 
Krönungsstadt der französischen Könige, die im früher-n Mit- 
telalter ein Monopol auf Anfertigung grossartiger Kunstteppiche 
mit scenerirten Figuren inne hatte, ähnlich wie heute im klei- 
nern Umfange Tournay, verdient hier besonders hervorgeho- 
ben zu werden, hinsichtlich kunstreicher und kostbarer Sticke- 
reien, Arras, die Hauptstadt des Artois im französischen Flan- 
dern. Bei ältern Schriftstellern begegnet man überall der An- 
gabe von kunstreich gestickten Teppichen und andern Wirke- 
reien, die, wie es uns scheinen will, durch den Webstuhl erzielt 
wurden, wobei niemals anzugeben unterlassen ist, dass sie in 
Wir dürfen es uns, des beschränkten Raumes wegen, nicht gestatten, hier 
jene Kirchen anzuführen, wo wir im nördlichen Frankreich, in Holland 
und Belgien kunstreich gestickte Ornate mit ausgezeichneten Bildwirkereien 
gefunden haben, noch weniger, dieselben, wenn auch nur flüchtig, zu be- 
Sßhfßibell- In einer folgenden Lieferung glauben wir Gelegenheit zu finden, 
die desfallsige Lücke nachträglich ausfüllen zu können.
        

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