Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4850
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Auflösung des tausendjährigen deutschen Reiches 1796 in der 
Spittelkirche zum h, Geiste daselbst aufbewahrt. wurden, waren 
wir so glücklich, in letztgenannter Stadt vier verschiedene äusserst 
merkwürdige Original-Schatzverzeichnisse der St. Sebalduskirche 
käuflich zu erwerben, worin in langer Reihe eine Menge reich 
in Gold und Perlen gesticktcr Messornate, Paramente und 
mit Bildwerken kunstreich ausgeführter liturgischer Ornamente 
ziemlich ausführlich beschrieben sind. Das älteste dieser sehr 
ausführlichen Verzeichnisse stammt aus dem Jahre 1624; das 
jüngste derselben aus dem Jahre 1656. Die Ueberschrift des 
einen von 1652 lautet: „Inventarium vnd Beschreibung Aller Or- 
nament-Messgewändter, Teppich und Anderer Kirchenzier und 
Fahrnuss in St. Sebaldts Pfarrkirchen alhicr befindlich, Auffge- 
richtet Anno 1652." Bei der Einführung des Protestantismus in 
der eben gedachten kirchen- und klosterreichen freien Rcichsstadt, 
bei welchem gewaltsamen Acte der damalige Rath der Stadt 
nachweislich auch aus andern Nebenabsichten starke Hand geleistet 
hat, scheint eine Menge kunstreich gestickter Messornate aus den 
vielen säcularisirten Klosterkirchen in die Sacristci der Haupt- 
kirche der Stadt übersiedelt worden zu sein, und ist es dieser Ur- 
sache zufolge erklärlieh, wie in der Sacristei der ebenfalls pro- 
testantisch gewordenen Hauptkirche sich ein solcher umfangreicher 
Schatz kostbar gestickter liturgischer Gewänder ansammeln konnte. 
Wir lassen hier wörtlich einige der verzeichneten Rubriken fol- 
gen, woraus entnommen werden kann, dass die WVappenwirker' 
und Kunststicker in dem alten Nürnberg hinsichtlich ihrer künst- 
lerischen Leistungen nicht im mindesten vor den Zunftgenossen 
zu Köln, Augsburg und Ulm zurüekstanden. So lesen wir, um 
nur einige anzuführcn, unter Rubrik H. Nr. 5: "Ein Ornat mit 
einem guetem Creuz, ziemlich von Perlen, der Boden gelb, mit 
grünweiss, roth und blauen Blumen, von sammet, die drei Hume- 
rale mit Blumenwerckh, undxdie Heyl. drey König von Per- 
lein; Ist auch auss dem Prediger Closter kommen, darauf? die 
Jahrzahl 1482." Ferner unter Rubrik G. Nr. 6: „Ein schön 
grün gemosiert sammetes Messgewandt, mit einem goldgelben 
Boden, mit dem Ritter St. Georgen, auch Köler und Bayern 
Wappen. Dann, ein Messgewandt von guldenen Stuckh und 
einem erhabenen Creütz von wenig Perlen, mit Harstörfter und 
Nürtzel Schilden, Ist auss dem Egidier Closter kommen." 
Unter Rubrik C. Nr. 1: „Ein gueter Bolckhen Ornat mit der 
Burggraffen Wappen, mit einem Creütz sambt Maria und J 0- 
hanne, und die Leviten Röckh mit St. Peter und St. Sebald
        

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