Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4847
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Stickereien des Mittelalters heute vor. Desgleichen hat auch der 
Dom von Frankfurt aus jenen Tagen, wo die Krönung der 
deutschen Kaiser in seinen Mauern vollzogen wurde, keine altern 
Prachtstiekereien mehr vorzuzeigen, die bei diesen feierlichen Ce- 
remonien kirchlich in Gebrauch genommen wurden, Nur noch 
befindet sich in der Sacristei daselbst ein reich in Bildwerken ge- 
stickter Messornat aus dem Schlusse des XV. Jahrhunderts, der 
in neuester Zeit von einer grossmüthigen Geschenkgeberin, Frau 
Rath Schlosser, dorthin verehrt worden ist. Obschon auch der 
reiche Domschatz zu Speyer die meisten seiner hervorragendsten 
Kunstschätze in jener traurigen Zeit eingebüsst hat, wo der 
Eigennutz in Verbindung mit roher Gewalt kirchliche Kunst- 
schatze, die ehrwürdigen Ueberlieferungen früherer Jahrhunderte, 
für vogelfrei erklärte und ohne Rücksicht gebrandsehatzt hat, so 
haben sich daselbst doch noch einige ausgezeichnete Bildsticke- 
reien, Meisterwerke des Plattstiches aus dem Schlüsse des XV. 
Jahrhunderts, erhalten, die unstreitig zu den werthvollsten und 
vollendetsten gehören, Welche auf dem Gebiete der Nadelmalerei 
sich in der Zerstörungsperiode fast einzig noch am Oberrheine 
gerettet haben. Diese vielen und zum Theil noch ausgezeichnet 
gut erhaltenen Bildwerke, im feinsten Plattstieh in Haarseide aus- 
geführt, scheinen, was Composition betrifft, nicht der niederrhei- 
nischen, sondern mehr der schwäbischen Malerschule anzugehüren. 
Nicht weniger interessant für die Kunstarchäologie ist der primi- 
tive Umstoff, aus welchem dieser "ornatus integer" besteht, näm- 
lich ein rothseidener dessinirter Damast mit reichem Muster in 
Gold (lurchtvirkt. Schade, dass dieser schönen „Capelle" mit 
ihrem höchst kunstvoll gestickten Bilderschmucke die frühere 
faltenreiche Form durch eine unbarmherzige Scheere im XVII. 
Jahrhundert genommen worden ist. Bei dieser Verkürzung und 
Entstellung sind auch gestiekte ligurale Darstellungen an den un- 
tern Theilen des Messgewandes verloren gegangen. Auch besitzt 
noch der Domschatz der eben gedachten Grabeskirche deutscher 
Kaiser reich in Bildwerken gestickte Vordersatzstäbe (praetexta) 
und Schild (cappa, clypeus) einer ältern Pluviale, aus dem Beginn 
des XVI. Jahrhunderts herrührend, die im Auftrage des Dom- 
capitels zu Speyer in neuester Zeit eine gründliche stylstrenge 
Wiederherstellung von der Meisterhand der Fräulein Martens in 
Köln erfahren haben. 
Bei unsern jüngsten Nachforschungen hinsichtlich der Kleino- 
dien des deutschen Reiches, die bekanntlich in Nürnberg von den 
Tagen des Kaisers Sigismtmd (1424) bis unmittelbar vor der
        

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