Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4805
 
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den Altardienst grösstentheils in Klöstern geübt wurde. Nicht 
lange jedoch waren die Innungen in Ausübung dieses ehedem 
von kirchlichen Genossenschaften vorzugsweise gepflegten und 
entwickelten Kunstzweiges eingetreten, so glaubten die Zunftmeister 
der Bild- und Whppensticker Kölnfs, dass Innungsmitglieder nur 
allein befugt und berechtigt seien, jenen sehr ergiebigen Kunst- 
zweig auszubeuten, der vorzugsweise von der Kirche grossgezogen 
und gehoben worden war. Namentlich wachte die einflussreiche 
Zunft der Bild- und Wappensticker, die ebenfalls Mitglieder unter 
den Rathsherren der Stadt zählte, mit Eifersucht darüber, dass die 
kunstgeübten Hände in den vielen Frauenklöstern bei Anfertigung 
kirchlicher und profaner Stickereien keine Concurrenz herbeiführten. 
Mehrmals scheint es, den Rathsprotocollen vom alten Köln zu- 
folge, zwischen verschiedenen Nonnenklöstern einerseits, die sich 
das Ehrenvorrecht nicht nehmen liessen, für die Zierde der Kir- 
chen bei Ausführung reicher Stickereien thätig zu sein, und an- 
derntheils zwischen der Zunft der Bild- und Wappensticker zu häu- 
figen Reibereien und gegenseitigen Klagen gekommen zu sein über 
Beeinträchtigung des zünftigen Gewerkes. Diese wachsende Eifer- 
sucht der YVappensticker Küln's gegen die Klöster, in welchen 
ebenfalls Stickereien angefertigt wurden, war so gross, dass sogar 
in verschiedenen Zeitläuften Gewaltthätigkeiten von Seiten der 
bürgerlichen Wappenstickel- gegen den schwachem Theil, die 
Conventualen, ausgeübt wurden. So zogen, wie das einem der 
frühern Rathsprotocolle ausführlicher zu entnehmen ist, 1482 meh- 
rere Wappensticker vor das sogenannte Schellen-Convent auf der 
Gereonsstrasse, erbrachen daselbst gewaltsam die Thüre und 
drangen so in die innern Räume des Klosters ein. Diese Ge- 
waltthat veranlasste natürlich eine Beschwerde beim Rathe der 
Stadt von Seite der Conventualinnen. Ein deshalb ergangener 
Rathsbeschluss ermahnt ernstlich die Bild- und Wappensticker, von 
derartigen Haussuehungen und „Unzüchtigkeiten oder Gewalt" fer- 
nerhin abzustellen, fordert aber zugleich die Conventualinnen 
eben so nachdrücklich auf, sich aller Kunstübungen, welche dem 
Wappensticker-Amte zum Nachtheil seien, inskünftige zu ent- 
halten. 
Nachdem wir im Vorhergehenden eine kurze Uebersicht ge- 
halten haben hinsichtlich der gestickten Kunstschätze, die sich an 
ältern liturgischen Gewändern heute noch innerhalb der Mauern 
Köln's vorfinden, setzen wir unsere früher begonnene Aufzählung 
über ausgezeiehnetere mittelalterliche Stickereien fort, die Sich 
in der külnischen Erzdiücese noch erhalten haben. VOP allen
        

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