Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4774
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übereinstimmend, der Kunstwirker des Mittelalters auch in den 
Stäben des ltlessgewandes und der Levitenröeke in vielen farben- 
reichen Figuren Scenen aus der Leidensgeschichte des Herrn an- 
gebracht. Entsprechend mit. der Darstellung der Leidensgeschichte, 
sind die Levitenrücke mit schmälern goldenen Stäben besetzt, in wel- 
chen sich, immer Wiederkehrend, kleinere Wappenschilder befinden, 
auf welchen die einzelnen Werkzeuge, 1) die bei dem Leiden des 
Heilandes geschichtlich in Anwendung gekommen, abgebildet 
sind. So sieht man in diesen lrVappen unter Anderm den Ysop- 
stengel mit dem Essigsehwamln und die Lanze des Longinus, 
die Judashand mit den 32 Silberlingen, die Geisselsäule mit der 
Leiter und der Geissel, ferner den krähenden Hahn des Pe- 
trus, den ungenäheten Rock des Herrn mit den drei Würfeln etc. 
Desgleichen besitzt auch noch die heutige Pfarrkirehe von St. Johann 
die ausgezeichnet gut erhaltenen goldgewirkten Stäbe zweier Dal- 
matiken, von Welchen man noch in neuester Zeit unbegreiflicher 
Weise den Umstofl", einen prachtvollen genueser Grünsamlnet, 
losgetrennt hat, der mit diesen Stäben zwei Dalmatiken in der 
faltenreichen mittelalterlichen Form bildete. Auch auf diesen Le- 
vitenröcken sind, wie auf den Stäben der Dalmatiken zu St. 
Georg, die symbolischen Zeichen der Passion des Heilandes auf 
Spitzbogenschildchen eingewirkt und sind die Umrisse derselben 
mit audiegenden Goldfäden umstickt. Das zu diesen beiden Le- 
viten gehörende Messgewand in Grünsammet zeigt nicht die in 
Gold gewebten vielfarbig scenerirten Darstellungen aus der Lei- 
densgeschiehte des Heilandes, wie dies an dem schünen Mess- 
gewande in St. Jacob der Fall ist, sondern eine vorzüglich 
ausgezeichnete „faetrix easularum" hat mit grösster Fein- 
heit des Plattstiches in den Kreuzstäben dieses Messgewandes 
mehrere figurenreiche Darstellungen aus der Lebens- und Lei- 
densgeschichte des Erlösers in einer äusserst delicaten Technik 
meisterhaft gestickt. Unmöglich kann der lebensvolle Entwurf zu 
dieser ausgezeichnet gut erhaltenen Nadelmalerei von dem Bild- 
sticker selbst herrühren und darf man annehmen, dass ein her- 
vorragender Meister der altkölnischen Malerzunft die Composition 
zu dieser Bildstickerei angefertigt habe. 2) Desgleichen bewahrt die 
Dieselben werden von ältern Schriftstellern genannt „instrnmcnta Dominicae 
passionis" und haben wir dieselben noch häufig in liturgischen Stickereien 
und Wehereion, in Wappenform gehalten, gefunden. 
Es wäre gewiss zu wünschen, dass die oben gedachten „aurifrisiae' der 
Dalmatiken mit den eingewirkten Leidenswerkzeugen, die jetzt als Bruch- 
reste nutzlos daliegnn, in nächster Zeit zweckmässig dazu benutzt würden,
        

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