Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4753
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ausmündendes Vvappensehild, bekanntlich die Frühform der Wap- 
penschilder, auf welchem sich auf silbernem Grunde mit violetter 
Seide gebunden drei mit der Spitze nach unten gewandte Blätt- 
chen befinden, die uns die Form der beliebten Gartenpfianze, des 
"asarum europft, erkennen lassen. Auf dem untern Blättchen 
sitzt in grünem Gefieder ein kleiner Geier, oder ein Falke, 
kenntlich an dem rothen Halsbande. Ueber dem Engel als 
Schildträger erhebt sich ein Baldachinehen in einem überhöheten 
Spitzbogen. Sowohl die einzelnen Krabben an diesem Spitzbo- 
gen, als auch die rothen und grünen Fenster sind in Plattstich 
gestickt; gleicherweise alle äussenn Umrisse, so wie die Flügel 
des Engels und sogar einzelne Theile der Architektur. Auch 
Gesicht und Hände des schildtragenden Engels sind äusserst 
delicat in Plattstieh gestickt; desgleichen auch die Muster und 
die Faltenwürfe in der goldenen Albe des Engels. Ehemals 
war das Stirnband der Engelsfigur, so wie auch der breite 
Nimbus und der untere weisse Saum des Gewandes erhaben 
aufiiegend, mit kleinen orientalischen Perlen besetzt, die heute 
jedoch fehlen. Unsere Sammlung besitzt, sämmtlieh aus dem 
XV. Jahrhundert herrührend, unter andern ähnlichen Bildwir- 
kereien, die durch die Stickerei gehoben sind, auch einzelne 
Stäbe mit Heiligeniiguren, auf welchen eingewirkt sind nicht nur 
verschiedene Jahreszahlen, sondern auch die Namen der Geschenk- 
geber. Auch findet sich daselbst ein merkwürdig gewebter Goldstab 
vor, auf welchem die vielfach gestickten Heiligenfiguren, nicht ver- 
tieal unter Baldaehinchen stehend, angebracht sind, sondern wo sie, 
von Laubguirlanden umgeben, wie unter Lauben thronen. Leider 
hat der Domsehatz zu Köln, der bei den politischen Umwälzungen 
zu Anfang dieses Jahrhunderts das meiste seiner ehemaligen Kunst- 
sehätze eingebüsst hat, auch seine altern Ornate verloren, die von 
der Höhe der Kunstentwickelung der Bildsticker des alten Küln's 
gewiss beredtes Zeugniss hätten ablegen können. Nur noch unbe- 
deutendeStickereien an hlessornaten aus der vorliegenden Epoche 
haben sich in den kunstreich geschnitzten Gewandsehränken des köl- 
ner Domes erhalten, wie wir dies in vorliegender Abhandlung später 
andeuten werden. Desto mehr Ueberreste linden sich hingegen von 
Bildwirkereien der angeregten Epoche in den übrigen Kirchen Kölns. 
So besitzt namentlich die heutige Hospitalkirche zur heil. Cäcilia 
ein rothes Messgewand, mit prachtvoll gewirkten Kreuzstaben 
auf beiden Seiten, auf welchen in der vollendetsten Technik meh- 
rere Heiligenfiguren eingcwirkt und durch einzelne Stickereien 
gehoben sind. Dieses merkwürdige Caselkreuz zeigte ehemals
        

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