Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4700
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der wohnend, ihren friedlichen Beschäftigungen oblaigen, so wohn- 
ten auch die Kunst- und Bildsticker in jenem Strassentheile, der 
sich heute in Köln erstreckt von den Vier Winden bis zu der 
Sehildergarssc und der auch noch bis zum Anfange dieses Jahr- 
hunderts den Namen führte: "Unter iVappenstiekeimß) Der 
Name des ältesten Kunst- und Wvappenstiekers von Köln findet 
sich aufgezeichnet in dem „scrinium Airsbach latae plateae" unter 
dem Jahre 1340 und zwar ist daselbst genanntzz) "magistci- Jo- 
hannes de Santen (de Xanctis) wappensticker und seine Frau 
Luthc (Lutgartlis)." Ob die einzelnen Kunststickerinnen, die in 
(lcn Sehreinsbüehern des XIV. und XV. Jahrhunderts häufiger 
angeführt werden, der eben gemeldeten Zunft der Wappen- und 
Bildstickei- ebenfalls angehürten, ist uns nicht bekannt; jedoch 
glauben wir, dies annehmen zu können. So tritt uns in dem 
ascrinium Niederich: a Saneto Lupe" beim Jahre 1350 der 
Name einer Paramcntenstickerin "Gudzt" entgegen, die bezeichnet 
wird als: "mitrifex", wahrscheinlich einer Kunststiekerin, die 
sich vorzugsweise mit Anfertigung von bischöflichen Mitren zu 
beschäftigen pflegte. Den fleissigen Nachforschungen des eben 
gedachten kölnischcn Geschichtsforschers verdanken wir die Kennt- 
niss einer langen Reihe von Ornatstickerinnen des XIV. und XV. 
Jahrhunderts, die wir hier einzuführen nicht unterlassen zu dürfen 
glauben. S0 blühte 1343 zu Köln eine Kunststickerin, die Sto- 
len anfertigte, in dem betreffenden Schreinsbuche benannt "Bela. 
de Tuyeio (Deutz) faetrix stolarum". Ferner findet sich ver- 
zeichnet unter dem Jahre 1346 als Anfertigerin von Messgewän- 
dern: „Guytginis, iactrix castilarum". Weiter im Jahre 1356: 
„I)rude de Wupperuurde, operatrix easularum". Dann 1377: 
„Bela van der Wesen, factrix casularum". Endlich unter dem 
Jahre 1384 und 1385 begegnet man auch in dem „scrinium C0- 
lumbac latae plateae" ebenfalls einer Stiekerin, die von Wipper- 
fürth stammte, genannt „Stina de Wippervurde", welche sich mit 
kunstreichcr Stickerei von Stolen beschäftigte. Schliesslieh wird 
noch 1417 auch einer Künstlerin Erwähnung gethan, die sich da- 
mit befasste, in Perlen kunstreiche Ornatstickereien auszuführen; 
Bekanntlich führen heute noch einzelne Strassentheile Köhfs solche Zunft- 
nnmcn, z. B. „Unter Goldschmied", "Unter Ilutmäeher", "Schildergassc", 
Quartier, wo die Schilderer, d. h. die lWInlcr wohnten und ihr Zunfthaus 
(GafTelhaus) sich befand. 
Vgl. das verdienstvolle Qucllenwerk: „Dic Meister der altkölnischen lNInler- 
schnle, Urkundliche Mittheilungen von Job. Jac. Mcrlo. Mit einer li- 
thogr. Abbildung und fünf Original-Holzschnitten von Anton von Worms. 
Köln, 18:32. Commissions-Verlag von J. M. Heberle." 
        

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