Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4682
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in der Diöcese Münster und Paderborn noch eine grosse Zahl 
von prachtvollen Bildstickereicn des XV. Jahrhunderts besitzen. 
So sahen wir in dein bischöflichen Museum zu Münster mehrere 
solcher interessanten Bildstiekereien auf ältern lirlessgeiväntlern, 
die zum Beweise dienen können, dass die westfälische lHaler- 
schule, in welcher der sogenannte „Lisborner Meister" als beson- 
ders ausgezeichnet in seinen Leistungen dasteht, einen nicht we- 
niger grossen vcredelnden Einfluss ausübte auf die verwandte 
Bildstickerei, wie das auch von Seite der altkölnischen Schule gesagt 
werden kann. Auf der mittelalterlichen Kunstausstellung der 
Diücese Paderborn, bei Gelegenheit der General-Versammlung des 
dortigen Diöcesan-Kunstvereins im Jahre 1855, sahen wir meh- 
rere liturgische Gewänder daselbst zur Anschauung gebracht, die 
von der hohen Blüthe der Nadelarbeiten YVestfalens im XV. Jahr- 
hundert Zeugniss ablegen. Die vorzüglichsten Bildstiekereien aus 
dem Schlnsse des XV. Jahrhunderts, die Westfalen und nament- 
lich die Diöccse Münster aufzuweisen hat, bestehend in zwei Le- 
vitenröcken mit reich gestickten Stäben, befinden sich heute in 
dem bischöflichen Museum zu Münster aufgehoben, wo viele aus- 
gezeichnete Nadelmalereien, die, sehr schadhaft geworden, nicht 
mehr kirchlich in Gebrauch waren, eine ehrenvolle, gesicherte Zu- 
fiuchtstatte dauernd gefunden haben. Man erblickt nämlich auf den 
schmalen Stäben dieser Dalmatiken unter kunstreich gearbeiteten 
Baldachinen eine grosse Zahl verschiedener Heiligen, die nicht nur 
hinsichtlich ihrer vortrefflichen Composition, sondern auch ihrer zar- 
ten technischen Ausführung wegen einen hervorragenden Ehrenplatz 
unter den heute noch restirenden Bildstickereien einnehmen, wie sie, 
aus dem Mittelalter herrührend, als Denkmalc eines ehemaligen 
blühenden Kunstzweiges übrig geblieben sind. 1) Bevor wir im Fol- 
genden fortfahren, eine übersichtliche Aufzählung und kurze Be- 
schreibung der ausgezeichnetem Bildstiekereien des XV. Jahr- 
hunderts hier weiter folgen zu lassen, sei es vergönnt, die hervorra- 
gende Kunstthätigkeit des alten Küln,s und insbesondere der im 
Fache der Bildstiekerei äusserst productiven Zunft der WVappen- 
sticker hier eingehender zu beleuchten. 
 
Wir freuen uns, hier im Vorbeigehen mittheilen zu können, dass es der 
Schwester Frauciscn des Klosters vom armen Kinde Jesu in Aachen, un- 
streitig eine der hervorragendsten Künstlerinnen der Gegenwart im Fache 
der Bild- und Ornamentstickerei, gelungen ist, diese lebensvollen, charakte- 
ristischen Heiligengestalten in demselben weichen Plattstiche und in der- 
selben Farbenwahl wiederzugeben, wodurch die Originalstickereicu sich so 
vonheilhaft auszeichnen.
        

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