Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4660
 
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Schnitzerei so reichhaltigen Pfarrkirche von Calkai- auch ein- 
zelne liturgische Gewänder, die durch den Reichthum der {ign- 
ralen Stickereien in Plattstich, als Meisterwerke der Nadelmalerei 
des XV. Jahrhunderts, verdienen hervorgehoben zu werden. So 
haben sich auch in der katholischen Plarrkirche zu WVesel noch 
einzelne reiche Figur-Stickereien an lilessgeizvänrlern erhalten, 
die von dem Kunstsinne, von der Gcbcfrcudiglgeit und der 
Prachtliebe der Herzoge von Clcve Zeugniss ablegen. 1) Ohne 
Zweifel besass auch ehemals die Stiftskirche von Cleve reich ge- 
stickte Messgcwänder, die daran erinnerten, dass der prunklie- 
bende Hof von Cleve das XV. Jahrhundert hindurch in enger 
verwandtschaftlichcr Beziehung mit den kunstsinnigen Herzogen 
von Burgund stand, 2) die nachweislich an ihrem Hofe die ge- 
schicktesten Bildsticker der damaligen Zeit fortwährend in Sold 
und Beschäftigung erhielten. Weiter am Rheine entlang befin- 
det sich noch in der Pfarrkirche zu Üerdingen bei Crefeld 
eine vollständige Capelle in Rothsammet, mit kunstreich gesticktem 
Figuren und Scenerieen in Goldfäden und Plattstich gearbeitet, die 
einer mündlichen Ueberlieferung zufolge aus der ehemaligen reichen 
Abtei Kamp (bei Rheinberg) herrühren soll. Dein Rheinstromc 
folgend treffen wir zunächst in Düsseldorf, und zwar in dem 
Schatze der St. Lamberti-Kirche daselbst, eine prachtvoll gestickte 
Capelle, deren figurale Nadelmalereien auf den Stäben zu dem Edel- 
sten und Prachtvollsten gerechnet werden können, was der Nie- 
derrhein an Bildstickereien des Mittelalters heute noch aufzu- 
weisen hat. Man muss es bedauern, dass der ursprüngliche 
Grundstoff zu diesem prachtvollen „ornatus integer" vormals 
ohne Zweifel, nach gleichzeitigen Analogieen zu urtheilen, ein 
schwerer dunkelrother oder grüner genueser Sammet, bei der 
Entstellung und dem modernen Zuschnitt im XVII. Jahrhundert 
beseitigt worden ist, Der jetzige Umstoff von lyoner drap d'argent, 
mit seinen unruhigen Dessins, aus der Verfallzeit der Renaissance, 
mag wohl einem Genremaler für Drappirungen und sonstige ma- 
lerische Zwecke höchst vortheilhaft und interessant erscheinen. 
Die unvergleichlichen eben gedachten Bildstickereien stehen aber 
Irren wir nicht, so ist eines dieser Gewänder, von der benachbarten Carthause, 
der Stiftung eines Ilerzogs von Cleve, herrühreml, unten mit dem Wappen des 
Geschenkgehers versehen, nämlich: ein Rad mit Speichen, auf welchen die 
sogenannte francica, ,A,Heur de lys", aufsitzß. 
Vgl. hierüber das Betreffende in dem Prachtwerke: "Kunstdenkmäler des 
christlichen lkiittelalters in den Rheinlanden, von E. Aus'm Weerth. Leipzig, 
T. O. Wcige). 1857." 
        

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