Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1582
dass Tehin oder Sin, Erstgcborener des Japhet und also Enkel des 
Noe, es war, der seine Kinder unterrichtete in der Malerei, der Sculp- 
tur und der Kunst, die Seidenfäden so zu bereiten, dass daraus ver- 
schiedenartige Stoffe verfertigt werden konnten g mit einem Worte, man 
behauptet, dass der grösste Theil der verschiedenen Arten von Webe- 
stoifen, wie sie heute noch in China angefertigt werden, von seiner Er- 
findung herrühren. 1) Der altere Plinius trägt kein Bedenken, die Kö- 
nige Asiens und namentlich den König Attalus als glückliche Erfin- 
der der Webekunst hinzustellen; Y) derselbe berichtet uns auch, dass 
einem altern Schriftsteller Verrius zufolge, Tarquinius Priscus sei- 
nen Triumph gefeiert habe, angethan mit einer goldenen Tunica, 
und dass er selbst die Frau des Claudius Agrippa an der Seite 
ihres Mannes dem Spiele einer Naumaehia beiwohnend gesehen 
-habe, bekleidet mit einem Gewande, das aus reinem Golde gewebt 
War. Aus der elassischen Zeit des alten Rom's herstammend, 
zeigt man his heute noch, sowohl im Museo Borbonico zu Neapel 
als auch im städtischen Museum zu Lyon, Reste von schweren 
Goldgeweben, die aus einem feinen Gespinnst von gezogenen Gold- 
fäden angefertigt sind, wie solche häufig an den "chlamydes" der 
römischen Kaiser vorkamen. 3) Bei diesen Goldgeweben, deren 
oft bei den classischen Schriftstellern Erwähnung geschieht, 4) darf 
man nicht annehmen, dass sie bloss aus gezogenen Goldfäden be- 
standen, sondern meistens war der Fond aus Wolle mit Gold 
durchwebt; Seidengewebe mit Gold broehirt waren um diese Zeit 
noch selten. Von ähnlicher Composition waren auch die Weissen 
Tücher, Welche bei dem Leichengepränge des Nero gebraucht wur- 
den. 5) Dass die Christen bei der Feier ihrer Mysterien in den 
ersten Jahrhunderten sich solcher kostbaren Stoffe noch nicht be- 
dienen konnten, lässt sich schon daraus folgern, dass sie darauf 
Bedacht nehmen mussten, so wenig als möglich die Aufmerksam- 
keit der Heiden auf sich zu ziehen und ihre Habgier zu reizen; 
daher bediente man sich sogar in den Jahrhunderten der Verfol- 
gung, als es noch, wie der h. Hieronymus bemerkt, goldene Pries- 
ter gab, hölzerner oder gläserner Kelche zur Darbringung 
des h. Opfers. Dass aber selbst die reichern Christen, dem Brau- 
che der damaligen Zeit folgend, es nicht verschmähten, sich in 
Bibliothäque orientale par M. d'Herbe1ot, tomc III. La Haye 1678. page 319- 
Plin. Hist. Nat. lib. VIII. c. 74 u. weiter lib. XXXIII. c. 19. 
C. Suet. Tranq., C. Caligula. cap. 19. 
Aehnlicher Stoffe erwähnt Propert. lib. II. v. 12 und auch Silius Italiens 
lib. XIV. v. 659 und C. Suetoni Tranq. Tib. Nero cap. 2. 
„Funeratus (Neronis) impensa. ducentorum millium, stragulis albis anro intextis.
        

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