Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4630
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Bildstickern Prachtwerlte der Nadclmalerei für dänische Kirchen 
im Mittelalter häufig angefertigt zu werden pflegten. Vornehmlich 
aber sollen, neuern Berichten zufolge, 1) die Sacristeien des Do- 
mes von Üpsala in Schweden, der alten Begrabnissstiittc skan- 
dinavischer Könige, noch reiche Schätze von mittelalterlichen kirch- 
lichen Stickereien bergen, befindlich auf lilessgeivändern (schwe- 
disch "Mess-Kake"), Pluvialen ("Chor-Kap"), die theilweisc, 
kostbar in Gold gestickt, ein noch höheres Alter beanspruchen, 
theilweise aber aus der vorliegenden Glanzepoche kirchlicher 
Stickereien, dem XV. Jahrhundert, herrühren. Hinsichtlich kunst- 
reicher Nadelmalereien wird in eben gedachtem "vestiarium" eine 
Chorkappe mit blauem Umstoffe von Kennern bewundert, die, mit 
Laubwerk und symbolischen Thiergestalten reich gestickt, nach 
Angabe unseres Gewährsmannes aus dem Schlusse des Mittel- 
alters herrühren soll. Ein anderes Messgewand, noch aus dem 
Beginn des XVI. Jahrhunderts herstamlnend, Wahrscheinlich eine 
reiche {igurale Goldstickerei aus Arras, zeigt mehrere Scenen aus 
dem Leben der Mutter Gottes, in Gruppen übereinander geordnet. 
Sogar das "purgatorium", was seltener in der Stickerei (largestellt 
ist, findet sich auf diesem Gewand in vollendeter Nadchnalerei 
vertreten, und die Himmelskünigin, wie sie die Seelen aus dem Rei- 
nigungsorte fürbittend zu errctten sucht. Ünten im Kreuzstabc er- 
blickt man den Geschenkgeber und seine Frau. Dass man noch 
gegen Mitte des XVII. Jahrhunderts, als das Ilochstift Upsala schon 
lange zum Protestantismus übergetreten war, dic alten katholischen 
Messgewänder bei liturgischen Functionen beibehielt und auch durch 
neue ergänzte, lässt sich schon daraus herleiten, dass, der Angabe 
des Berichterstatters zufolge, daselbst in den Gewandschriinken 
unter andern modernen Messgewandcrn auch noch eine Casel sich 
vorfindet mit der Jahreszahl 1658, auf welcher, wie gewöhnlich, der 
Heiland am Kreuze mit der dabei befindlichen Passionsgruppe, 
Johannes und Maria, in Plattstich gestickt ist. 1') 
Um eine bessere Uebersicht über die heute noch voründliehen 
Vgl. „Organ für christliche Kunst", VIII. Jahrgang, Nr. 5, Seite 54. 
Unsere Sammlung hat, ebenfalls aus einer schwedischen Kirche stammend, 
ein prachtvolles Messgewund in schwerem figurirten Blausummet, reich mit 
Gold brochirt, aufzuweisen, das ebenfalls aus dem Schlusse des XV. Jahr- 
hunderts herrührt und uns durch einen nordischen Kunsthänmller zum Kaufe 
übersandt wurde. Dieses Messgewand, das bis in die letzten Zeiten zu 
liturgischen Feierlichkeiten in Schweden in Gebrauch gewesen zu sein 
scheint, zeigt novh vollständig den faltcnreirehen malerischen Sqhnigt des 
Mittelalters. Auch eine grosse Stola befand sich dabei, jodoch keine 
Manipel. 
xe Gewänder
        

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