Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4625
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derselben Zeit waren ebenfalls als Kunststicker gesucht und 
berühmt: Simonne de Gaules zu Bourges, Gillon Quinaude 
und Jehan de Moucy zu Tours. Auch das Schatzverzeichniss 
des Capitels vom h. Hilarius enthält eine grosse Zahl Angaben von 
prachtvollen Stickereien der eben bezeichneten Art. Desgleichen 
befindet sich auch in dem "Magasin pittoresque" eine Abbildung 
und Beschreibung der äusserst reichgestickten Casel von Carrouges, 
einer kleinen Stadt in der Nähe des Jura, die auch wohl die Tage 
Karl's des Kühnen von Burgund gesehen haben mag. 
Wir würden nicht zu Ende kommen, wenn wir in der vor- 
liegenden, geschichtlich geordneten Uebersicht der Erfolge und 
Entwickelung der Stickkunst im Dienste des Altares namhaft 
machen wollten alle jene kirchlichen Schätze von prachtvollen 
Stickereien, wie wir sie in den Inventarien der Domschatze von 
Würzburg vom Jahre 1448, in dem Inventars des ehemaligen 
reichen Benedictinerklosters Michelsberg zu Bamberg vom Jahre 
1483, und dem Inventar der Domschätze der bischöflichen Kathe- 
dralkirche zu Olmütz, ebenfalls aus dem XV. Jahrhundert, in grosser 
Menge vorfinden. Die meisten in den uns vorliegenden Schatz- 
verzeichnissen aus dieser Zeit beschriebenen Kunststickereien sind 
bei der Interesselosigkeit der letzten Jahrhunderte für solche Zeugen 
einer gehobenen kirchlichen Kunstthätigkeit der Vorzeit unwieder- 
bringlich verloren gegangen. Bei der Schonung gegen altkatho- 
lische Gebrauche, die dem Volke Jahrhunderte hindurch liebge- 
worden waren, womit das Lutherthum in den skandinavischen 
Reichen des Nordens auftrat, kann es nicht befrcmden, dass in 
Norwegen und Schweden, namentlich in reichern Kathedral- und 
Stadtkirchen sich heute noch, besonders aus der Glanzepoche der 
Stickerei des XV. Jahrhunderts, zahlreiche Schätze der kirch- 
liehen Nadelmalerei an Messgewändern und sonstigen kirchlichen 
Ornaten erhalten haben. Als Curiosum mag hier die Mittheilung 
noch ihre Stelle finden, dass, obgleich das Messopfer der katho- 
lischen Kirche schon lange in den eben besagten Ländern des Nor- 
dens, als „der reinen Lehre zuwider", abgeschafft worden ist, man 
aber nichts desto weniger das altkatholische Messgewand in seiner 
alten Form und seinem grossartigen Kunstreichthum beizubehalten 
für gut fand und dass man dasselbe bei besondern liturgischen Ver- 
anlassungen bis zur Stunde noch in Gebrauch nimmt, wie uns das 
von glaubwürdigen Augenzeugen mehrfach berichtet worden ist. Zu- 
verlässigen Angaben zufolge sollen auch noch eine grosse Zahl reich ge- 
stickter Messgewänder in dem Museum zu Copenhagen sich vorfinden, 
die davon Zeugniss ablegen, dass von rheinischen und süddeutschen
        

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