Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4595
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auch die etwas spätern Standbilder unter der Bogenlaube des süd- 
lichen Thurmes am Dome zu Köln sind sprechende Belege dafür, 
dass um die angegebene Zeit auch die Sculptur in compositorischer 
und technischer Beziehung jene Höhe eingenommen hatte, die sie 
als eine der Architektur bei- und untergeordnete Kunst einnehmen 
durfte. Erst im XIV. Jahrhundert war es der Malerei vorbe- 
halten, in ihren Schöpfungen ein grösseres Streben nach Natur- 
wahrheit und Individualisirung geltend machen zu dürfen. Mit 
der Schule des Cimabue in Italien wurden die Ueberlieferungen 
der alten Byzantiner sowohl auf dem Gebiete der Wandmalerei als 
auch der Tafelmalerei theilweile zu Grabe getragen und Giotto und 
seine Nachfolger waren mit Glück bestrebt, ein Princip auf dem 
Felde der Wand- und Tafelmalerei zur Geltung zu bringen, 
das in dem spätern Fra Angelico da Fiesole seine schönsten Blü- 
then trug. Die Höhe der Entwickelung auf dem Boden der christ- 
lichen Malerei, die in Italien schon in der letzten Hälfte des 
XIV. Jahrhunderts bei den Leistungen einiger hervorragenden 
Meister ersichtlich geworden war, begann erst im XV. Jahrhundert 
in dem Bereiche der Malerei in Flandern und auch am Nieder- 
rheine zum Durchbruch zu kommen. Namentlich waren es hier 
der sogenannte Meister Wilhelm von Köln, Schöpfer des Dombildes, 
und in Flandern Johann van Eyck, mit seinem Bruder und seiner 
Schwester, und gleich darauf Hemmling, die auf dem Gebiete 
der Miniatur- und Tafelmalerei die grossartigsten Schöpfungen zu- 
wege brachten und dieselben mit einem Fleisse der Technik aus- 
führten, der in allen Zeiten Bewunderer finden wird. Als die 
letzte der bildenden Künste, die im Mittelalter zu der Höhe ihrer 
ästhetischen und technischen Ausbildung gelangte, ist die Sticke- 
rei zu rechnen. Ihre völlige Ausbildung und Vervollkommnung 
konnte natürlich nur da erst erfolgen, nachdem die übrigen 
Künste die Höhe derselben bereits erreicht hatten. Da, wie 
früher bemerkt, die Stickkunst die Miniatur- und [Fafelmalerei 
sich zum Vorbild und zur Lehrerin genommen hatte, und auf 
kostbar gewebten Stoffen das in Goldfäden und schimmernder 
Seide zu leisten suchte, was der Maler auf Pergament oder Holz 
darzustellen bemüht war, so leuchtet es ein, dass gegen Mitte des 
XV. Jahrhunderts, bei dem anregenden Vorgange, der von der 
Malerei ausgegangen war, auch die Bildsticker Kenntniss neh- 
men und sich aufgefordert sehen mussten, in der Bildstickerei 
das Grösste zu erzielen, dessen ihre Kunst fähig war. 
Die Blüthe der Stickkunst fällt nun gerade in jene Zeit, wo 
am Hofe der kunstsinnigcn Herzogs von Burgund sämmtlichen
        

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