Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4572
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Nadelmalerei, vorstellend den englischen Martyrer Thomas Beckett 
von Canterbury, angethan mit seinen Pontificalgewändern. 
Was England an kunstreichen, mittelalterlichen Stickereien noch 
in den Sacristeien seine1' altern Kathedralen besitzt, dürfte heute, 
nachdem religiöser Fanatismus in den Tagen Cromwellis das 
meiste zerstört hat, jetzt nicht mehr sehr bedeutend sein. i) 
Desto mehr dürfte sich jedoch in den Privatmuseen und Sammlun- 
gen reicher englischer Lords vorfinden, was sich in letzten Zeiten 
von altkirchlichen Stickereien im Occident hin und wieder noch hat 
ausfindig machen lassen. Bei der Unkenntniss, die in diesen Din- 
gen noch vor 10 bis 15 Jahren auf dem Itlestlande herrschend 
War und oft Bedeutendes für billigen Preis an kauflustige Engländer 
verschleudert wurde, dürften manche Schätze der hühern Stick- 
kunst, ehemals Zierden von rheinischen, belgischen und holländischen 
Kirchen, einen unfreiwilligen Uebergang über den Canal angetreten 
haben. So sah man ausser einigen Stickereien von weniger Be- 
deutung eine prachtvolle gestickte Chorkappe auf der vorigjährigen 
Kunstausstellung zu Manchester, die jedenfalls auch irgend einem 
englischen Privatmuseum entlehnt war. Dieselbe zeigte unter 
ornamentalen, architektonisch geformten Baldachinen Figuren von 
Heiligen im feinsten Plattstiche ausgeführt, und dürfte dieses 
Meisterwerk der Stickkunst ebenfalls in den Anfang des XV. 
Jahrhunderts zu verweisen sein. WVer Interesse daran finden 
möchte, das Nähere über englische Stickerei in der vorliegenden 
Epoche in Erfahrung zu bringen, der unterlasse nicht, das lehr- 
reiche Werkchen des bekannten Architekten Pugin: „English Medi- 
eval Embroidery" näher durchzublitttern. Wir müssen leider offen 
eingestehen, dass es uns bei Ausarbeitung der vorliegenden Ab- 
handlung über mittelalterliche Stickereien nicht gelungen ist, trotz 
unserer allseitigen angestrengten Bemühungen, in den Besitz die- 
ses selten gewordenen Buches zu gelangen. 
Nachdem wir in dem Vorhergehenden in Kürze eine Um- 
schau gehalten haben hinsichtlich der noch erhaltenen Meisterwerke 
kirchlicher Stickkunst,ausgefertigt vor dem Schlusse des Mittelalters, 
vornehmlich in Italien und Spanien, sei es gestattet, im Folgen- 
den die Prachtstickereien jener Länder und Provinzen des Na- 
hern zu beleuchten, wo die Kunst der Nadelmalereien im Dienste 
des Altares im XV. Jahrhundert am grossartigsten zur Entfaltung 
1) Vgl. über die heute noch voriindlichen altenglischeu Stickereien die ein- 
schlagenden Nachrichten in dem „Church Needlework by Miss Lambert, 
London, S. Murray, 1844", und „The Art of Needle-Work. London, Henry 
Colbum, 1842".
        

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