Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4563
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Spanien und hatte damals mehr auf andere Zweige der Kunst 
seine Aufmerksamkeit verwandt, so dass ihm das Meiste von 
hervorragenden kirchlichen Stickereien, namentlich in spanischen 
Frauenklüstern, unbekannt geblieben ist. Der Herausgeber des 
untengedachten WVerkes 1), Hauptmann Loning, der längere 
Jahre als höherer Militair, aber auch nicht weniger als kun- 
diger Archäologe die verschiedenen Provinzen Spaniens auf- 
merksam besuchte, hat uns jüngst über das häufige Vorkom- 
men prachtvoller mittelalterlicher Stickereien in vielen spani- 
schen Kirchen und Klöstern eine Menge sehr interessanter No- 
tizen mitzutheilen die Gewogenheit gehabt. Diesem in Spanien 
sehr kundigen Schriftsteller zufolge sollen sich namentlich in 
der erzbischöflichen Kathedrale zu Toledo, so wie in den vie- 
len andern Kirchen dieser altberühmten Königsstadt eine grosse 
Zahl von kunstreichen und kostbaren Stickereien heute noch 
befinden, die von der Höhe der kirchlichen Stickkunst in Spa- 
nien nach der Vertreibung der ilIauren in den Tagen Alphons, 
VI. bis auf die Glanzzeiten des grossen Cardinal-Ministers 
Ximenes beredtes Zeugniss ablegen. Auch in der Francisca- 
nerkirche zu Barcelona soll noch ein vollständiger Messornat 
aufbewahrt werden, eine kunstreiche Arbeit, angefertigt und ge- 
schenkt von einer "Königin von Cypern"; desgleichen besass 
das ehemalige berühmte und reiche Carthäuserkloster Scala Dei 
im südwestlichen Catalonien eine grossartige Sammlung von mittel- 
alterlichen Gefassen und Gewändern mit kunstreichen und kost- 
baren Stickereien, welche von den Vorstehern der besagten 
Abtei mit Vorliebe gesammelt worden sein sollen. Das meiste 
dieser merkwürdigen Stickereien ist wohl in den letzten Revo- 
lutionen modernen Bilderstürmern in die Hand gefallen, so dass 
heute von diesen Schätzen wohl Wenig mehr zu sehen sein 
dürfte. Auch in Burgos, in dem Kloster der Basilianerinnen 
Santa Maria de las Huelgas, würden noch kostbare Messgewän- 
der vorgezeigt, die wohl zu dem Kunstreichsten und Schönsten 
gehörten, was die kirchliche Stickkunst im Mittelalter in Spa- 
nien hervorgebracht habe. Noch führen wir hinsichtlich der 
spanischen Stickereien an, dass das alte Banner Spaniens, wel- 
ches ehedem in Leon im Kloster des heil. Isidor aufbewahrt 
wurde, auf's kunstreichste ornamentirt war mit einer grössern 
L 
Die 
Ruinen 
meines 
Klosters, 
aus 
dem 
Spanischen. 
Münster, 
1852.
        

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