Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4558
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das Auge des Beschauers bestach, so dass man, bei den nicht zu 
hohen Preisen, solchen meisterhaft ausgeführten Webereien hin und 
wieder den Vorzug vor den gesticktem Ornamenten ertheilte; nur 
war dabei der Nlissstand, dass dieselbe Darstellung sich mehr- 
mals wiederholte, wogegen es dem Bildsticker immer anheimge- 
geben war, mit der grössten Freiheit seine Gruppen zu ordnen 
und in der Aufeinanderfolge einen steten WVechsel der Scenen 
eintreten zu lassen. Während unseres längern Aufenthaltes in 
Italien haben wir in derselben technischen Ausführung eine Menge 
derartig gewebter Stäbe mit Heiligeniiguren, sämmtlich Ersatz- 
mittel für Bildstickereien, für unsere Privatsammlung käuflich zu 
erwerben Gelegenheit gehabt, und bietet das Vorliegende einen 
Anhaltspunkt zur Beurtheilung einer grossen Zahl gleichartigerß) 
Ob Spanien noch in seinen vielen grossartigen Kirchen und 
Kathedralen, die in ihren architektonischen Formen den Einfluss 
der maurischen Kunst auf die Gothik so vielfach erkennen lassen, 
bedeutende Monumente der kirchlichen Stickerei aus der Blütliezeit 
derselben aufzuweisen habe, wissen wir heute nicht mit Bestimmt- 
heit anzugeben, da wir nur auf eine sehr kurze Zeit das nörd- 
liche Spanien berührt haben. Q) Aus mündlichen Mittheilungen 
des unermüdlichen Abbe Martin liesse sich entnehmen, dass die 
letzten politischen Stürme, die das unglückliche Spanien von den 
Tagen des Königs Joseph bis auf die Zeiten Don Carlos? von 
allen Seiten durehtobt haben, wohl Weniges mehr an bedeuten- 
den und reichen kirchlichen Stickereien, aus dem Mittelalter 
herrührend, zurückgelassen haben. Indessen verweilte unser se- 
liger Freund, wie uns später gesagt wurde, nicht lange genug in 
Dem Charakter der Cornposition und Ausführung nach zu urtheilen, dürfte 
vorliegende Weberei in der ersten Hälfte des XV. Jahrhunderts entstanden 
sein unter dem Eint-lasse der Schule des Ghirlandajo. 
Behufs eingehender Studien über mittelalterliche kirchliche Paramentik ha- 
ben wir mit grossmüthiger Unterstützung eines kunstsinnigen deutschen Für- 
sten, dem vorliegendes Werk gewidmet ist, Deutschland, Frankreich, Italien 
und die Provinzen des österreichischen Kaiserstaates mehrere Jahre hin- 
durch sorgfältiger durchforseht. Einer gnädigen Aufforderung unseres erha- 
benen Protectors zufolge und Höchstdesselben Tochter, der Prinzessin Ste- 
phanie, der hohen Verlobten Sr. Majestät des Königs von Portugal, auch 
auf die iberische Halbinsel später unsere Nachforschungen auszudehnen, dürften 
wir bei Herausgabe der letzten Lieferungen dieses Werkes vielleicht in 
der Lage sein, hinsichtlich der einsehlagenden reichen Kunstschütze, die 
sich zweifelsohne in Portugal und Spanien, aus den schönem Tagen des 
Mittelalters herrührend, noch vielfach erhalten haben, ausführlicher be- 
richten zu können, was heute bei der Spärlichkeit der Nachrichten über 
mittelalterliche Kunstschätze in den gedachten Ländern nicht zu ermög. 
liehen ist.
        

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