Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4520
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lungen als eine getreue Nachbildung eines ihm vorliegenden gestick- 
ten Messgewandes ausgeführt hat, so wird eine solche prachtvolle 
Nadelmalerei gewiss nicht an einem Messgewantle vereinzelt vor- 
gekommen sein, sondern es haben zweifelsohne damals, als die 
altitalienischen Malerschulen zu Florenz, Siena, Pisa so schöne 
Blüthen trieben, auch die Bildsticker und klösterlichen Stickerin- 
nen, von der Malerei angeführt und geleitet, gewiss Vorzügliches 
in Plattstich als Bildwirkereien ausgeführt, was leider im Strome 
der Zeiten verloren gegangen und nicht mehr auf uns gekommen 
ist. Gewiss haben sich zerstreut in den Sacristeien kleinerer und 
grösserer Kirchen Italiens noch einzelne hervorragende Ueber- 
reste, herstammend aus jener Kunstepoche, erhalten, in welcher 
im Beginne des XV. Jahrhunderts, unter dem milden Scepter der 
ersten Medicaer, sämmtliche Künste zu einer nie geahneten Höhe 
der Entwickelung sich emporhoben. Aus dieser Zeit der floren- 
tinischen Bildstickerei stammt auch die auf Goldgrund in Plattstich 
gestickte Figur des h. Laurentius, wie sie im Besitze des Conservators 
Ramboux in Köln sich befindet. Auch unsere Sammlung hat einige 
Bruchstücke der alt-italienischen Bildstickerei aufzuweisen, und 
führen wir darunter an zwei kleinere Figuren, in Plattstich auf 
Goldgrund gestickt, Priester des Alten Testaments vorstellend, 
deren Composition und Haltung noch an spätere Nachfolger des 
Gi0tt0's erinnern. Tafel XIV. zeigt die auch in der Technik 
treu wiedergegebene. Darstellung einer Nadelmalerei unserer 
Sammlung, die ebenfalls aus Florenz stammt und die, ihrer Or- 
namentation nach zu urtheilen, gleichfalls aus dem Beginne des 
XV. Jahrhunderts herrühren dürfte. Diese Stickerei diente ehe- 
mals als oberer Theil einer Palla, zum Zudecken des Kelches 
während der h. Messe. Der untere Theil war, den Rubriken ge- 
mäss, mit einem feinen Leinen überzogen. Auf dunkelblauem 
Grunde, der in Plattstich gestickt ist, erblickt man, von einem 
Medaillon in der bekannten Form des Ostereies umgeben, an 
dessen vier Ecken zierliche Laubornamente angebracht sind, die 
Darstellung: „Christo al sepolcro", wie ihn in dieser Situa- 
tion, aus dem Grabe mit dem Oberkörper hervorragend, die 
altitalienische Malerschule in den Zeiten der Gaddi und Memmi 
häufig dargestellt hat. Wie überhaupt an allen ältern Bildstickereien, 
so ist auch hier die weisslich-gelbliche Stickerei der Incarnations- 
theile meistens verschwunden und kommt an vielen Stellen die 
Leinwand als Unterlage zum Vorschein. 1) 
 
scheint 
Mittelalter 
weisse 
Seide 
durch 
eine 
Präparation 
mit
        

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