Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4513
Gesagte an noch vorhandenen Prachtwerken der höhern Bild- 
stickerei zu erhärten suchen, wollen wir vorerst prüfend zusehen, 
Welche Leistungen auf dem Gebiete der kirchlichen Stickkunst 
in Spanien und Italien im Laufe des XV. Jahrhunderts uns ent- 
gegentreten. Eine Menge von grossartigen meisterhaften Ueber- 
resten der Bildstickerei, meistens aus dem XV. Jahrhundert stam- 
mend, haben wir vielfach noch in deutschen Kathedralen und 
kleinern Kirchen angetroffen. Trotz unseres emsigen Nachsuchens 
hat Italien aus dieser Epoche nur Weniges aufzuweisen und ha- 
ben wir daraus den Schluss gezogen, dass da, wo die meisten 
Ueberbleibsel sich finden, auch die in Rede stehende Kunstübung 
am ausgedehntesten zur Anwendung und Entfaltung gekommen ist. 
Dass aber doch in Italien vor dem Aufkommen der Renaissance unter 
den Medicäern die Nadehnalerei zu kirchlichen Zwecken vielfach ge- 
übt wurde, lasst sich entnehmen, wenn auch nicht aus heute noch 
vorfindlichen Originalstickereien dieser Periode, sondern aus gemalten 
Stickereien, wie wir sie namentlich auf grössern Bildwerken des Fra 
Angelico da Fiesole und anderer hervorragender Maler seiner Zeit 
mehrmals zu sehen Gelegenheit hatten. S0 wird man sich erin- 
nern, um nur eine von den gemalten Stickereien des ebengedach- 
ten Florentiner Dominicaners anzuführen, dass auf seinem berühm- 
ten Bilde im Louvre zu Paris im Vordergrunde knieend und mit 
dem Rücken Zum Beschauer gewandt, der fromme Künstler an- 
gebracht hat die knieende Gestalt eines Bischofes in Pontificalge- 
wandern. Der kölner Künstler und Chromolithograph Kellerho- 
ven in Paris hat das Verdienst, dass er in neuester Zeit in einem 
äusserst gelungenen Farbendruck das Hauptwerk des F ra Ange- 
licö da Fiesole in einem grossen Bilde charakteristisch wiederge- 
geben hat. Auch auf diesem Ifarbendrucke sieht man deutlich 
nicht nur allein die schönen, zart eingewebten Dessins in der 
Dalmatik und der Casel des knieenden Bischofes, sondern es sind 
auch in dieser Chromolithographie getreu und scharf wiedergegeben 
die vielen scenerirten Stickereien, die auf dem hintern Stabe dieses 
Messgewandes der fromme Maler, getreu eine ihm damals vorliegende 
Stickerei wiedergebend, auf seinem grossen Bilde angebracht hat. 
Man erkennt nämlich unten als erste gestickte Scene das Gebet 
des Herrn mit den schlafenden Jüngern am Oelberge; alsdann 
folgt der Judaskuss; daran reiht sich die Verspottung des Hei- 
landes; ferner die Geisselung, weiter die Kreuztragung und end- 
lieh die sechste und letzte Bildstickerei: der Heiland in Halbfigur, 
sich aus dem Grabe erhebend. Da man nun als feststehend an- 
nehmen kann, dass Fiesole diese ausserst feinen und zarten Darstel-
        

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