Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4467
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kannt unter dem Namen nmajesta", als Vorbild unserer eigenen Un- 
sterblichkeit und Verherrlichung den Gläubigen zur Anschauung 
vielfach dargestellt wurde. Neben diesem grossen Mittelbilde, 
.„der Sohn krönt seine jungfräuliche Mutter", zeigen sich auf 
jeder Seite fünf verschiedene Heiligenfiguren in aufrechter Stel- 
lung, unter welchen Johannes der Täufer, Johannes der Evange- 
list, Petrus und Andreas besonders kenntlich sind. 1) Auch dürf- 
ten sich die übrigen Figuren leicht bestimmen lassen und würde 
man aus den Namen dieser Heiligen später einen Schluss ziehen 
können auf die Diöcese oder Stadt, aus welcher diese vortreffliche 
Nadelmalerei hervorgegangen ist. Die sämmtlichen zehn Stand- 
figuren einzelner Heiligen, so wie die bezeichnete, in der Mitte 
sitzende Gruppe thronen unter zierlichen Baldachinen, architekto- 
nisch angelegt. Auf beiden Seiten ist dieser kostbare Vorhang, 
der die Bestimmung hatte, die ganze vordere Seite der Altar- 
mensa an Hauptfesttagen zu bekleiden, nach oben und unten mit 
einem ornamentalen Bandstreifen, horizontal laufend, abgetrennt. 
In dem untern Bande sieht man in schwungvoller Stickerei ein 
Rankenwerk mit schön stylisirten Traubenblättern. In dem obern 
Rande zeigen sich, von gestickten Laubgewinden umgeben, in 
runden Medaillons zwölf Halbfiguren, verschiedene Heiligen vor- 
stellend. Sämintliche figurale Stickereien sind, wie immer, auf 
fester Leinwand im feinsten Plattstich vielfarbig ausgeführt und 
verräth die Composition wie die Ausführung den geübten und 
sichern Pinsel eines grossen Malers, dessen seelenvolle Composi- 
tion mit grosser Zartheit und WVeichheit des Gefühles von einer 
kunstgeübten Nadel so ausgeführt worden ist, dass man zweifelnd 
fragt, was man mehr bewundern soll, entweder den schwung- 
vollen, zarten Entwurf des Malers, oder die unübertreffliche Aus- 
führung der Stickerin, die ihr frommes Werk in einem Kloster 
angefertigt zu haben scheint. Wenn man auch hinsichtlich des 
in Rede stehenden Meisterwerkes so ziemlich im Klaren ist, dass 
dasselbe gegen Ende des XIV. Jahrhunderts seine Entstehung 
gefunden haben dürfte, so ist die Frage weniger leicht zu beant- 
worten, wo dieses Meisterwerk der Stickkunst seine Anfertigung 
gefunden habe. Der Architektur mit gewundenen Schlangensäul- 
chen und anderm eigenthümlichem Beiwerke nach zu urtheilen, 
Wir beabsichtigen, in einer folgenden Lieferung, wo über die Form und die 
geschichtliche Entwickelung der Altar-Antependien das Ausführlichere mitge- 
theilt werden wird, eine grössere Abbildung dieses unvergleichlich schönen V01"- 
hangs unserm Werke einzuverleiben, und werden wir dann auch das Detaillir- 
tere über diese Stickerei an besagter Stelle nachzuholen nicht verßällmen.
        

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