Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4450
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geschmückt. Diese äusserst prachtvollen bischöflichen Infuln, 
zwar sehr reich, aber auch sehr unbequem zum Tragen, gehören 
dem Schlusse des XV. Jahrhunderts an. Die Mitra, die wir hier 
im Auge haben, ist offenbar altern Ursprungs, und scheint uns 
bei genauerer Betrachtung, ihrer vielen in Farben gestickten Fi- 
guren wegen auffallende Aehnlichkeit zu besitzen mit den zahlreichen 
und grossartigen Wandmalereien, womit die verschiedenen Capellen 
des Kaiserschlosses Karlstein in Böhmen auf's reichste ausge- 
schmückt sind. Wenn wir nicht irren, hat man uns angegeben, 
dass diese interessante Mitra aus dem Schatze des ehemaligen 
Hochstiftes Meissen herrühre. Da bekanntlich Architektur, Ma- 
lerei und Sculptur an dem Hofe des kunstsinnigen Luxembur- 
gers, Kaiser Karl IV., Pflege und Entwickelung fanden, und die 
ersten Maler ihrer Zeit: Nicolas Wurmser von Strassburg, Theo- 
dorich von Prag und der Italiener Thomas von Mutina nach- 
weislich hier im grossen Umfange thatig gewesen sind, so hat 
auch durch die damals aufblühende Malerschule zu Prag die 
Stickerei zu kirchlichen Zwecken einen erhöheten Aufschwung 
daselbst genommen, und scheint es daher sehr wahrscheinlich, 
dass diese Mitra in dem nahe liegenden Böhmen in der letzten 
Hälfte des XIV. Jahrhunderts ihre Entstehung gefunden habe 
und zwar unter dem EinHusse von böhmischen Malern und Mi- 
niatoren. Wie wir aus dem Schlusse des XIII. Jahrhunderts die 
prachtvoll gestickte Capelle im Dome zu Anagni als den Höhe- 
punkt der Stickerei des XIII. Jahrhunderts bezeichneten, so ver- 
dient mit besonderer Auszeichnung als vollendetes Meisterwerk 
der Nadelmalerei gegen Ende des XIV. Jahrhunderts das reich 
gestickte Antependium in dem Museum des königlichen Garten- 
palais zu Dresden genannt zu werden. i) Dieses Antependium 
Stammt aus der Stadtkirche zu Pirna und wurde vor einigen 
Jahren daselbst unter einer modernen Altarbekleidung wieder auf- 
gefunden.  Die mittlere Darstellung dieses Altarvorhanges zeigt uns 
in zarter Composition und delicater technischer Ausführung die Krö- 
nung der Mutter Gottes, die, namentlich im XIV. Jahrhundert, ein 
Lieblingsgegenstand der bildenden Kunst war und die in Italien be- 
11.7 
Eine kleine Abbildung und kurze Beschreibung dieses Prachtwerkes mit- 
telalterlicher Stickerei heündet sich in dem "Führer durch das Museum 
des königl. sächsischen Vereins zur Erforschung und Erhaltung vaterländi- 
scher Alterthümer irn- königl. Palais des grossen Gartens", von Dr. Schulz 
und Dr. Klemm, Dresden 1856. 
Siehe II. Heft der Mittheilungen des künigl. sächsischen Alterthums-Ver- 
eins, S. 7.
        

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