Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4438
 
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Händen halt. Wie immer ist das Haupt bedeckt mit einer 
spitz ansteigenden J udenmütze. Auf andern analogen Darstel- 
lungen der nblynagoga" fanden Wir häufig eine weibliche Figur 
mit verbundenen Augen mit zerbrochenem Stabe, als Repräsen- 
tantin des Judenthums, worüber der Stab gebrochen ist, das 
hartnäckig in Blindheit verharrt bei dem Lichte des Evange- 
liums. In der zweiten Reihe unmittelbar über der „Synagoga" 
thront, von einem goldgestickten Giebelfelde überragt, die „Ec- 
clesia". Diese allegorische F igllr, die Kirche andeutend, ist dar- 
gestellt als Siegerin, mit der Krone auf dem Haupte und dem 
"vexillum" als Siegesfahne in der einen Hand. Die andere Hand 
hält den Kelch der Erlösung mit der darüber beündlichen Hostie. 
Beide Darstellungen sind von zierlichen gothischen Bogenstel- 
lungen, in Goldfaden gestickt, eingeschlossen. Noch fügen wir 
hinzu, dass das Haupt der "Ecclesia" mit einem Nimbus um- 
geben ist, und derselbe bei der "Synagoge." fehlt. Die Technik 
an der vorliegenden Stickerei ist von hoher Vollendung und 
sind im petite-pointe-Stich die beschriebenen Figuren in einer 
solchen gebogenen und geschlungenen Stellung und Haltung ans- 
geführt, Wie auch der Bildhauer ähnliche Gestalten in verwandter 
Drappirung und Bewegung gegen Anfang des XIV. Jahrhunderts 
dem harten Stein zu entlocken wusste. Eine andere nicht we- 
niger interessante Stickerei aus dem Schlusse des XIV. Jahr- 
hunderts veranschaulicht die Abbildung auf Tafel XIII. Die- 
selbe beündet sich als vordere Seite an einem kleinen Kis- 
senüberzuge in der Länge von 5 Decimeter und der Breite 
von 4 Decimeter. Auf einem rothseidenen Fond ersieht man 
unter einer laubenartigen Holzarchitektur die Darstellung der heil. 
Familie: Jesus, Maria, Joseph. Um diese mittlere Gruppe herum 
hat die Kunst der Stickerin in knieender Haltung vier dienende 
Engel angebracht, die in der Hand verschiedene Blumen halten, 
welche sie dem Jesuskinde darzureichen scheinen. Einer dieser 
adorirenden Engel tragt eine Blume, ähnlich einem Wedel (flabel- 
lum), wie das auf altern Bildern manchmal vorkommt. Das Ganze 
ist abgefasst nach den vier Seiten mit einer kleinen Borte, worin 
sich lilienartige Ornamente zeigen. Die Darstellung, welche die 
Stickerin zur Ausschmückung der obern Seite dieses „pulvi- 
nar" gewählt hat, ist auch in der Beziehung interessant, 
weil bei der Darstellung Maria mit dem Jesusknaben im Blumen- 
garten von spielenden Engeln umgeben, das Bild des gerechten 
Joseph's, einen kleinen Korb mit Taubchen haltend, vorkommt; 
in der andern Hand hält er die symbolische Lilie. In dieser Si-
        

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