Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4410
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Anna." Dieselbe Kaiserin, Anna von Schweidnitz, dritte Gemah- 
lin Karl's IV., vermählt 1353, gestorben 1362, die Mutter Wen- 
zel's IV., schenkte auch, wahrscheinlich von ihrer eigenen Hand 
gestickt, demselben Inventar zufolge, eine kostbare F esttags- 
Casel von goldgelbem Sammet, reich in Perlen gestickt mit Ad- 
lern und Löwen, den heraldischen Thiergestalten der Wappen 
Deutschlands und Böhmens. Zu dieser Casel schenkte diese 
Kaiserin auch eine reich mit Stickereien besetzte Albe, Stola, 
Humerale und Manipel. Desgleichen verehrte auch die Königin 
Jutta, den Prager Schatz-Inventaren zufolge, dem Dome des heil, 
Veit einen kostbaren rothen Altarvorhang mit der gesticktem 
Darstellung des Gekreuzigten. Auch der Domschatz der Kirche 
des reichen Hochstiftes zu Olmütz in Mähren muss, den uns 
vorliegenden Verzeichnissen gemäss, im XIII. und XIV. Jahr- 
hundert einen grossartigen Schatz von kostbar gestickten Gewan- 
dern besessen haben. So fand sich ehemals daselbst vor unter 
den vielen Ornaten, deren Zahl mehr als 200 betrug, ein 
schwarzes Messgewand des Papstes Eugenius, mit darauf in Gold 
gestickten Sternen, Sonne und Mond, und auf den goldenen 
Stäben waren auf der Vorder- und Rückseite des Gewandes 
Bildwerke gestickt. Dazu gehörten noch zwei Dalmatiken von 
demselben Stoffe, die mit goldenen Sternen und Rosen kunst- 
voll bestickt waren. Daselbst befand sich auch eine Chorkappe 
von rothem Sammet, mit Stäben an der vordern OelTnung, auf 
welchen zehn Bilder gestickt waren; rückwärts sah man auf 
der Chorkappe gestickt einen Greif. Da wir eben des reichen 
Schatzes an Priestergewändern mit kostbaren Stickereien erwähn- 
ten, die ehemals die Domkirche von Olmütz besass, so wollen wir 
nicht unterlassen, im Vorbeigehen die reich gesticktem Ornate anzu- 
führen, die der bekannte Jobst, Markgraf von Mähren, ein wenig 
später, gegen Beginn des XV. Jahrhunderts, der Olmützer Kathe- 
drale zum Geschenk machte. WVir lassen hier den Wlortlallt des 
Inventars folgen, um unsere Leser auch mit den eigenthfimlichen 
Kunstausdrüoken bekannt zu machen, die man in alten Schatz- 
verzeichnissen zur Bezeichnung von Stickereien um diese Zeit zu 
gebrauchen pflegte: „Item, quatuor ornati quos Serenissimus 
princeps dominus Jodocus Marchio Morauiae et electus Rex Ro- 
manorum dedit pro Ecclesia Olomucensi quorum primus est Hauei 
coloris cum cruce de aurea pretexta cum solempnibus ymagini- 
bus retro et ante cum margaritis decoratus et factus cum dua- 
bus Dialmaticis ejusdexn coloris et tribus albis. Item Secundus 
vero et rubei coloris cum duabus dialmaticis ejusdem coloris
        

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