Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4371
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Aufbewahrungsorte entnehmen und bei den andern Schätzen und 
Reliquien in der Schatzkammer ferner aufbewahren möge. Der 
unschätzbaren Erlaubniss des Hochwürdigsten Metropolitan-Dom- 
capitels zu Prag haben wir es zu verdanken, dass es uns ermög- 
licht wurde, in dem geheimen Dom-Archive jenen Schatz-Inven- 
taren aus der Zeit KarPs IV. naehzuforschen, Worin die sämmt- 
liehen Ornate und Paramente, dessen sich der erzbischöfliche Stuhl 
von St. Veit in den Tagen des eben genannten grossmüthigen 
kaiserlichen Geschenkgebers bediente, verzeichnet stehen. lrVir 
waren so glücklich, zwei noch sehr vollständige authentische und 
umfangreiche Inventare vorzufinden und zwar das eine vom Jahre 
1354, angefertigt unter dem Erzbischofe Arnest, und ein zweites 
äusserst umfangreiches und detaillirtes vom Jahre 1387. Man 
muss wirklich staunen, welchen grossartigen Reichthum an kost- 
bar in Gold und Perlen gestickten Ornaten der Domschatz von St. 
Veit damals besass, und glauben wir nach Copirung dieses letztern 
Prager Inventars und im Vergleich mit vielen andern Schatzverzeich- 
nissen, die sich ebenfalls in unsern Händen abschriftlich befinden, 
fast annehmen zu können, dass im XIV. Jahrhundert kaum eine an- 
dere Kirche im Occidente hätte gefunden werden können, die solche 
ähnliche Schätze an kirchlichen Prachtstickereien in dieser Periode 
aufzuweisen hatte. S0 scheint, diesem letztgedachten Verzeichnisse 
zufolge, schon die Königin Elisabeth, Gemahlin des Königs Johann 
von Böhmen und Mutter KarPs IV., die bischöfliche Kathedrale von 
St. Veit mit kostbaren Stickereien bedacht zu haben. Unter den 
vielen Omaten, die ihren Namen tragen, heben wir hier unter 
der Rubrik: „de insignis pontificalibus" hervor: „Item, eine 
andere Inful, mit silbernen und goldenen Ornamenten und Perlen 
bestickt, welche die Königin Elisabeth schenkte. Dieselbe ist 
mit edeln Steinen reich besetzt und mit bildlichen Darstellun- 
gen auf beiden Seiten reich geschmückt." Desgleichen befand 
sich auch unter den zahlreichen Capellen, welche das besagte 
Sehatzverzeichniss in langer Reihe aufführt, unter dem Namen 
„ornatus integer", eine vollständige Capelle mit kostbaren Sticke- 
reien, die wahrscheinlich ein Geschenk der Kaiserin Elisabeth 
(Prinzessin von Pommern-Stettin, der vierten Gemahlin KarPs 
1V., vermählt 1363, gestorben 1393), _war. Es hat diese reich 
gestiekte Capelle für unsern Zweck ein näheres Interesse, in- 
dem dadurch nachgewiesen wird, dass man in der zweiten 
Hälfte des XIV, Jahrhundertes noch liebte, jene symbolischen 
Thiergestalten in liturgische Gewänder zu sticken, die häufiger 
in der romanischen Kunstepoche, seltener aber in der entwickel-
        

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