Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4342
 
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verbreiteten, ohne Härten. Dürfen wir uns wundern, dass eine 
Kunst, die sich ein so hohes Ziel stellte und die insbesondere 
für zarte Frauenhände, die besser mit Seide umzugehen ver- 
stehen, als mit nassen oder fetten Farben, sich vorzugsweise 
eignete, in den höchsten Regionen der damaligen Welt eine so 
begeisterte Aufnahme zu finden. Da das XIV. Jahrhundert der 
Damenwelt der höchsten Kreise glücklicherweise nicht so vielerlei 
geistlose, zerstreuende und abspannende Unterhaltungen bot, wie 
das mit geräuschvoller, geschäftiger Abwechselung die moderne 
Gegenwart einzurichten weiss, so wurde alsbald die höhere Stick- 
kunst und ihre Anwendung zu kirchlichen Ornaten die bevor- 
zugte Lieblingsbeschäftigung in den Gemächern der Königs- und 
Fürstenpaläste; deswegen finden wir denn von jetzt ab Königinnen 
und Fürstentöchter in edeler, angestrengter Thatigkeit allenthalben 
damit-beschäftigt, bischöfliche und priesterliche Gewänder und die 
übrigen Altar-Ornamente, die zur würdigen Feier des h. Opfers er- 
forderlich waren, mit grösster Hingabe und Präcision durch die 
reichsten und prachtvollsten Nadelarbeiten auszustatten. Um nicht 
hier nochmals Erwähnung zu thun von den reichen Stickereien, 
die wir schon in den vorhergehenden Jahrhunderten von einzel- 
nen hervorragenden Königinnen und Fürstinnen im Dienste des 
Altares anfertigen sahen, 1) sei es gestattet, in Folgendem nur einige 
Beispiele anzuführen von Fürstinnen, die in ihren Palästen die 
religiöse Kunststickerei betrieben, gleichsam wie in einem Kunst- 
Institut, wozu auch die Damen des Hofes mit herangezogen 
und in Thätigkeit gesetzt wurden. So vernehmen wir bei Jean 
Bouehet, dass Gabrielle von Bourbon nie müssig befunden 
wurde, sondern dass sie einen grossen Theil des Tages dazu 
verwandte, reichere Stickereien anzufertigen und dass sie mit 
dieser Kunst auch ihre Hofdamen beschäftigte, deren sie eine 
grosse Zahl um sich versammelt sah und zwar aus hohen und 
reichen Häusernß.) Auch zur Zeit Ludwigs IX. von Frankreich 
sehen wir, dass seinelSchwester Isabelle mit kirchlichen Sticke- 
reien häufig beschäftigt war, und zwar in stiller Zurückgezogen- 
Noch fügen wir bci dieser Gelegenheit nachträglich hinzu, dass die heil. 
Margaretha, Königin von Schottland, bereits in früher Zeit sehr ausgedehnt 
mit ihren Hofdamcn die kirchliche Stickkunst mit grosser Kunstfertigkeit 
übte, und. dass es den Anschein gewonnen habe, als ob, dem Berichte 
gleichzeitiger Chronisten zufolge, die Zimmer ihres Palastes die Bestimmung 
getragen hätten, als Arbeitsstätten und Niederlagen verschiedenartiger kunst- 
reich gestickter Messornate zu dienen.  
Edit. du Pantheon litteraire, pag. 769, eol. l.
        

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