Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4235
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Baustyles gegen Mitte des XIII. Jahrhunderts erfahren hatte, 
Von den vielen kostbar gesticktem altliturgischen Gewändern, die 
noch bis zu den grossen politischen Umwälzungen gegen Schluss 
des vorigen Jahrhunderts existirten, hat sich heute noch in ei- 
nem stillen Thale des schönen Steierlandes im kirchlichen Ge- 
brauche erhalten und zwar in der Sacristei des ehemaligen weib- 
lichen Benedictiner-Stiftes, jetzt Pfarrkirche, Zu GÜSS bei Lßüben 
ein merkwürdig gearbeiteter „ornatus integer", bestehend aus 
Messgewand, zwei Dalmatiken, Stolen, Pluviale und Altarvor- 
hang. Da eine solche vollständige "Capelle" heute zur Selten- 
heit gehört und dieselbe auch hinsichtlich ihrer reichen figu- 
ralen, naturhistorisch scenerirten Darstellungen und Ornamente 
für die Aufklärung der Thiersymbolik des Mittelalters von 
grosser Bedeutung ist, so haben Wir im Auftrage der k. k. Cen- 
tral-Commission zur Erhaltung der Monumente an Ort und 
Stelleeine ausführliche Beschreibung dieser merkwürdigen Sticke- 
reien vorgenommen, die in den monatlich erscheinenden "Mitthei- 
lungen der k. k. Central-Commission" und zwar im Marz- und 
April-Hefte 1858, unter Beigabe von artistischen Illustrationen, 
veröffentlicht werden wird. Der Vollständigkeit wegen bemerken 
wir nur hierorts, dass diese Ornate in Göss auf einer feinen Un- 
terlage von Leinen in Weise von Straminstich durchaus in „per- 
sischer Siden" vielfarbig und reich von den Religiösen des be- 
sagten Stiftes unter der Amtsführung der "abbatissa Chunegundis", 
die in der Reihe der Aebtissinnen des Stiftes in dem dritten Viertel 
des XIII. Jahrhunderts namhaft gemacht wird, mit grösster Hin- 
gabe und Kunstfertigkeit ausgeführt werden sind. Auf einer neu- 
liehen Durchreise durch Braunschweig hatten wir Gelegenheit, 
daselbst näher in Augenschein nehmen zu können eine sehr in- 
teressante Goldstickerei auf einem röthlichen SeidenstoH, deren 
kürzliche Wiederauffindung und Erhaltung der Stadt Braunschweig 
der Vorsorge des Prof. Brandes verdankt. Da diese Pracht- 
stickerei ohne Zweifel bereits dem Beginne des XIII. Jahrhun- 
derts angehört, so sei es erlaubt, hier nachträglich derselben in 
kurzen Worten, ihrer historischen und artistischen Merkwürdig- 
keit Wegen, Erwähnung zu thun. Sammtliche reiche Goldsticke- 
reien, die abwechselnd nach kurzen Zwischenräumen die hcraltlisch 
Stylisirten Bilder des deutschen Reichsaars und des welfischen 
Löwens zeigen, sind in sarazenischer Technik mittels orientali- 
scher Goldfäden auf einem schweren geköperten Seidenkendel 
von röthlicher Purpurfarbe applicirt. Auch die eigenthümlichen 
arabischen Ornamentationen, kleine goldgestickte Halbmonde als
        

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