Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4215
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führung, gaben besonders der Stickkunst im XIII. Jahrhundert 
Gelegenheit, das Grossartigste für den Dienst des Altar-es her- 
verzubi-ingen, was dieselbe in damaliger Epoche zu leisten ver- 
mochte. Im XIII. und XIV. Jahrhundert scheint auch in all- 
gemeinen Gebrauch gekommen zu sein, dass von Seiten der 
Bischöfe und der Dom- und Stiftsherren jenen Kirchen, an die 
sie berufen wurden, ein besonders reich gesticktes Gewand, be- 
stehend aus einer Chorkappe, zu fortwährender Erinnerung an 
ihre WVahl und Erhebung, zum Geschenk überwiesen zu werden 
pfleg-te, S0 lesen wir in einem Schatzverzeichnisse damaliger 
Zeit, herausgegeben von M. Dard, eine lange Reihe von sol- 
chen kostbar gestickten Chorkappen, die bei eben gedachter Ge- 
legenheit der Kirche zum Geschenk gemacht wurden. Dieses Ca- 
pitel führt die Ueberschrift: "Cappae professionum episcoporum, 
suffraganeorum et abbatum". Daher leiten sich auch die Aus- 
drücke her, die wir bei Du Gange ad voc. Cappae finden, z. B. 
"Cappa professionalis" und „eappam solvere". Ein weiterer Grund, 
Weswegen im XIII. Jahrhundert und in dem folgenden die vielen 
Sticker und Stickerinnen in Klöstern und Stiftern und aus dem 
Laienstande in Innungen und in Zünften eine solche Kunsttha- 
tigkeit entfalten konnten, ist auch vornehmlich darin zu suchen, 
dass in dieser Epoche der Gebrauch entstand, dass nicht nur der 
höhere Klerus, sondern auch viele Glieder des niedern Klerus, 
deren Mittel es gestatteten, auf eigene Kosten, namentlich für 
den Gebrauch an Festtagen, besonders prachtvoll gestickte litur- 
gische Gewänder anfertigen liessen. Die Sterberegister der verschie- 
denen Kirchen, so wie. ältere Schatzverzeichnisse geben an sehr 
vielen Stellen Beschreibungen dieser reich gestickten Gewänder, 
so wie auch die Namen derjenigen, die testamentarisch diese Ge- 
wander der Kirche legirt haben. Es wäre nun an der Zeit, 
nach diesen Voraussendungen die Frage zu stellen, wo sich aus 
der in Rede stehenden Epoche heute noch die interessantesten 
kirchlichen Stickereien erhalten haben. Da wir in den spätern 
Lieferungen dieses Werkes zuweilen Veranlassung nehmen wer- 
den, einzelne Abbildungen von reichen Ornaten des XIII. Jahr- 
hunderts beizubringen und im Texte ausführlicher zu erläutern, 
so mag es gestattet sein, bei der folgendeuAufzählung der merk- 
würdigen, heute noch erhaltenen Stickereien aus der fraglichen 
Periode uns einer gedrangten Kürze zu beileissigen. 
Im Vorhergehenden haben wir schon öfter auf den reichen 
Schatz an altkirchlichen Gewändern im Dome zu Halberstadt hin- 
gewiesen, wie wir denselben in neuerer Zeit vollständig aufzufinden
        

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