Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4205
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die die Stickkunst damals bot, der Anfrage Genüge leisten konn- 
ten, so fehlte es auch nicht in dieser opferwilligen und gebe- 
freudigen Zeit an grossmüthigen Bestellgebern aus allen Standen, 
die sowohl dem erhöheten Verbrauche durch Geschenke nach- 
halfen, als auch den aufstrebenden Talenten, wo sie sich, entwe- 
der in Klöstern oder Innungen, zeigten, Vorschub und Auf- 
munterung liehen. Hierin ging der hohe Klerus, namentlich die 
Bischöfe, mit lobenswerthem Beispiele voran. Eine Menge von 
Angaben könnten wir hier beibringen von den grossartigen 
Geschenken kirchlicher Gewänder, sämmtlich Meisterwerke der 
Stiekkunst, die um diese Zeit einzelne Bischöfe, ihrer Metropo- 
litankirehe zu machen pflegten. Wir verweisen hier vorüber- 
gehend auf die reichen Schenkungen des Bischofs Conrad von Hal- 
berstadt, auf die Schenkung prachtvoller kirchlicher Gewänder 
Bonifai VIII. an den bischöflichen Stuhl seiner Vaterstadt Anagni, 
den er vor seiner Erhebung auf den Stuhl Petri als Bischof inne 
gehabt hatte; endlich auf die kostbaren Gaben des Bischofes 
Philipp von Beauvais, Enkel König Ludwig-"s des Dicken. Nach- 
dem die Kunstschätze an Gold und Silber angeführt worden sind, 
die der Letztgenannte dem Dome von Beauvais als Geschenk übergab, 
folgen die bischöflichen Gewänder, die er derselben Kirche 
schenkte, und sind als solche angeführt: „die bessern Sandalen, 
die bessere Mitra, alle meine seidenen Vorhänge, welche in der 
Kirche aufgehängt zu werden pflegen, fünfzehn seidene Chor- 
kappen, zehn Infuln, acht Dahnatiken." Diese vorhin genannte 
„1nitra optima" hat sich heute noch in Beauvais erhalten und sind 
auf den schmalen Stäben derselben (ligulae) in Menge in Gold 
gestickt jene hcraldischen „ileurs de lys" zu ersehen, wie sie sich zur 
Zeit König Ludwigs des Heiligen von Frankreich ornamental ausge- 
bildet hatten. 1) Wir würden für den Umfang dieser Abhandlung 
zu ausführlich werden, wenn wir nur andeutungsweise jene reichen 
kirchlichen Stickereien namhaft machen wollten, die von fürstlichen 
und gräflichen Personen, so wie auch von dem niedern Adel und 
nicht weniger von Seiten wohlhabender Patricier im XIII. Jahr- 
hundert grössern und klcinern Kirchen als Ehrengeschenke über- 
wiesen wurden. Solche Aufträge, bei welchen von Seiten der 
frommen Geschenkgeber nicht so ängstlich auf die Kosten ge- 
sehen wurde, als auf die Schönheit und den Reichthum der Aus- 
Eine gelungene Abbildung und Beschreibung derselben findet man im Juli- 
und August-Hefte der „Annales Archöologiques" 1857, par V. Didron, S0 
wie auch in den neuesten Heften der xlievue de Part chrätieu, par Pabbä 
Corblet."
        

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