Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4187
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schmücken bedacht war. Es war dies jene Zeit des Mittelalters, 
wo der Bürger, der Patricier, so wie der ritterliche Burgherr in 
seiner eigenen Wohnung, so wie in seiner Umgebung noch eine 
gewisse Einfachheit in den Formen der verschiedenen Gebrauchs- 
gegenstände beobachtete; das Haus Gottes aber, das als das ge- 
meinsame Eigenthum des Reichen und Armen betrachtet wurde, 
und worin auch der Aermste, der so Vieles entbehren musste, 
sich als in seinem Eigenthume heimisch fühlte, das liebte man 
auf's reichste und prachtvollste auszustatten. Und wie Ilie Ar- 
chitektur, die Malerei, die Sculptur und die Goldschmiedekunst 
die reichstenFormen aufbot, um das „Tabernakel des Herrn unter 
den Menschenkindern" äusserlich und innerlich würdig auszustat- 
ten, so wurde der Stickkunst der ehrenvolle Auftrag, die Gewän- 
der derer auf's reichste herzustellen, die mit dem Heiligsten in 
nächste Berührung traten. Boten in der vorhergehenden Epoche 
des IX., X. und XI. Jahrhunderts meistentheils die Altarvor- 
hänge, die Velen der Ciborienaltäre, so wie andere grössere 
Tücher, die als Schmuck an Festtagen in den Kirchen aufgehängt 
wurden, erwünschte Gelegenheit, Nadelwirkereien in grösserm 
Umfange zur Ausführung zu bringen, so waren es namentlich in 
der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts und in beiden fol- 
genden Jahrhunderten der eigentliche Priesterornat, das Messge- 
wand und die dazu gehörenden Theile: Stolen, Manipel, Albe und 
Humeral jene liturgischen Ornamente, an welchen die kunstreichsten 
Arbeiten der Nadel zur Entfaltung gebracht wurden. Bis zum 
XII. Jahrhundert hatten die Messgewänder bekanntlich die Form 
einer Glocke und bedeckten dieselben in Weise eines faltenrei- 
chen Mantels, ohne Oeffnung für die Arme, bloss mit einem 
Durchlass für den Kopf, den ganzen Körper des Celebranten. 
Die Gothik, der neu aufgekommene Baustyl, modificirte nicht nur 
die Formen des Mobilars, sondern er übte auch seinen Wohlthätigen 
Einfluss aus auf dem Gebiete der Töne, so wie er auch nach seinen 
Principien die althergebrachte Form des Messgewandes dadurch 
zum Bessern umgestaltete, dass er da, wo die „planeta" auf den 
Armen in Faltenmassen sich unbequem anhäuftc, einen kleinen Aus- 
schnitt eintreten liess, wodurch das Gewand, unserer Ansicht nach, 
nicht an Schönheit der Form verlor, sondern wodurch es auch eher 
ermöglicht wurde, reichere Stickereien in den Stäben, "offroies", 
des Messgewandes zur Anwendung kommen zu lassen. i) Durch 
 
Bekanntlich übte auch die später auftretende Renaissance, der der über- 
lieferte kirchliche Boden unter den Füssen beutschwunden war und die
        

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