Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4090
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Unterlage angeheftet worden zu sein. Zwischen diesem kunst- 
reiehen Laubwerk, ähnlich dem Epheu und dem Eichenlaube, 
zeigen sich hin und wieder erhaben gearbeitet kleinere gestiekte 
Früchte; auch kleine Wappenschilde, in frühgothischer Form, 
sind abwechselnd in diesem gestickten Laubwerl; angebracht, 
jedoch sind die darin abgebildeten heralnlisehen Abzeichen kaum 
mehr zu erkennen. Zwischen diesen zierlichen Nadelarbeiten 
an der itussern Umrandung hat die Kunst des Stickers nach 
gleichen Zwischenräumen cingeflochten kunstreiehe aus getriebenen 
Goldblechen geformte grössere und kleinere Blumen, die eine 
ausgeprägte gothisehe Formation zeigen und die geübte Meister- 
hand eines Goldsehmiedes verrathen, der sich besonders auf 
getriebene Arbeiten verstand. Durch dünne hinten befestigte 
Häkchen sind diese getriebenen Ornamente in Goldbleeh zwi- 
schen den Stickereien eingefügt. Hinsichlich dieser eben ge- 
dachten höchst inerkxviirtligen Pluviale im Domsehatze zu Aachen 
führen wir hier noch an, dass dieses reiche königliche Gewand 
am untern Rande, der nicht weit über die Kniee herunter- 
reicht, nicht wie gewöhnlich mit breiten seidenen Fransen, son- 
dern statt dieser mit einer grossen Zahl von langen silbernen 
Schellehcxi besetzt ist. Diese Glöckchen erinnern offenbar an 
die gleichartigen "tintinnabula" und nmalogranata", wodurch das 
Übcrgewand des Hohenpricsters im llIosaismus verziert war. 
Bereits im frühen llIittelalter 1) kommen bei reichen kirchlichen, 
namentlich bischöflichen Gewändern solche silberne Schellchen 
statt der seidenen Fransen vor, und gingen dieselben namentlich 
seit der Mitte des XIII. Jahrhunderts auf reiche Profangeivän- 
der über. Im XV. und XVI. Jahrhundert hat nur noch der 
Hofnarr diese Klingelehen an der Mütze beibehalten, nachdem 
sie an liturgischen und Profangewvandern ausser Gebrauch ge- 
kommen waren. 
Bei Gelegenheit, wo wir im Vorbeigehen auf die untere 
Ausmündung in Form von silbernen Glöckchen an der Pluviale 
im Domschatze von Aachen hinweisen, finde hier auch noch die 
Andeutung ihre Stelle, (lass die Stickkunst im XIII. Jahrhundert 
auch darauf Bedacht nahm, die Köpfchen einzelner zierlich ge- 
arbeiteter Quästchen, "fimbriae", als Fransen mit Perl- oder 
Goldstiekereien auf's kunstreichste auszustatten. 
 
 In der Lebensgeschichte des heil. Meinwerk, Bischofs von Paderborn liest, 
man, dass er einem von ihm gestifteten Kloster geschenkt habe lieben 
reich in Gold gestickte St-olen, wovon die eine unten mit mehrem S111, 
Glöckchen verziert war. emen
        

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