Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4082
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sondern auch auf die cigenthfimliehe Beschaffenheit des Futter- 
zeuges, der Technik, so wie der gestickten Dessins. Eine Menge 
Gründe bieten dringende Veranlassung anzunehmen, dass diese 
merkwürdige Chorkappe zu jenem prachtvollen Krönungsztpparate 
gehörte, der zur Zeit des Interregnuxns von Richard von Corn- 
ivallis, bei Vorenthaltung der üblichen altern Krönungsinsignien, 
aus England nach Aachen für diesen feierlichen Moment her- 
beigezogen und durch eben denselben Fürsten, bekanntlich dem 
reichsten Manne seines Jahrhunderts, für alle folgenden Zeiten 
dem Domsehatze zu Aachen für die Krönungen deutscher Kö- 
nige überwiesen wurde. Da wir im IV. Theile dieses Werkes 
eine Abbildung der Stickereien an diesem "paludamentum regale" 
beibringen werden, so (lürfien wir uns hier in der Beschrei- 
bung nur kurz fassen und bemerken vorübergehend, dass die 
Pluviale früher ein einfaches Gewand war, wie es auch der 
Name schon andeutet, für die Sänger und andere Kirchendiener, und 
das erst mit dem XII. Jahrhundert erweislich zum bischöflichen Ge- 
brauche erhoben wurde. In seiner Ganzheit ist dieses "pallium regale" 
zu Aachen mit den interessantesten Stickereien ornamentirt und 
das nicht nur an den vordern Stäben (praetexta) und der hinten 
befestigten, äusserst kleinen dreieckigen Kappe (clipeus), son- 
dern auch in dem ganzen Grundstoffe, Woraus dieser Chor- 
mantcl besteht. Als Grundstoff erblickt man nämlich einen 
äusserst zarten dunkelrothen Seidensammet von delicater Fabri- 
kation. Dieser feine "examitum", wie man denselben in dieser 
technischen Vollendung erst seit dem XIII. Jahrhundert anzu- 
fertigen verstanden hat, ist netzförmig mit kleinen Quadraten in 
Goldfäden durchzogen. Mitten in diese Quadrate hat die englische 
Stickkunst jedesinal eine Art von kleinen Blätterrosetten angebracht. 
Das grösste Interesse aber bietet für unsere vorliegende liTage 
die höchst merkwürdige Stickerei der schmalen vordern Stäbe, 
wie wir eine solche eigenthümliche Technik seither noch nir- 
gendwo an einer mittelalterlichen Nadelarbeit angetroffen haben. 
Die Grundlage bildet ein aus grüner Seide gesticktes Blätter- 
werk, jedoch sind wir bei dem heutigen unsichere Schwanken der 
technischen Ausdrücke für die verschiedenen Arten des Stickens 
nicht in der Lage, mit einem bestimmten Terminus diese höchst 
eigenthümliche Stickart zu bezeichnen, wie man eine solche an 
andern Prachtgewändern kaum mehr vorfinden dürfte. Dieses 
zierlich gestrickte Blätteriverk liegt an mehrern Stellen frei auf 
und scheint uns aus freier Hand fast wie eine sehr feine Häkel- 
oder Knöppelarbeit angefertigt und später stellenweise auf eine
        

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