Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4050
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Durghbohfungell, die man am äussern Rande vielfach atngc- 
bracht hatte, stellenweise, nach kurzen Zwischenräumen, auf 
einer Grundlage von Seide oder Sammet befestigt, mit einem 
Rande von Perlstickereien häufig umgeben, und die Zwischen- 
räume neben diesen dünngetriebenen Medaillons mit andern viclfar- 
bigen Stickereien ausgefüllt. Auch die llrliniaturmalerei auf Per- 
gament musste zuweilen ihre Dienste anbieten, um den Glanz, 
die manehfaltige Abwechselung solcher 1'eichen Nadclivirkereien 
zu heben, Es wurden dann kleinere Medaillons von Perga- 
ment, mit Brustbildern von Heiligen bemalt, auf eine Grund- 
lage von Leinwand durch ein Bindemittel auigeleimt und stel- 
lenweise zwischen gestickten Ornamenten eingelassen. Damit die 
hlalerei keine Frietion erlitt und durch Anfassen Schaden nehmen 
mochte, brauchte man die Vorsicht und überlegte solche Miniatur- 
malereien zwischen Stickereien befindlich, mit einem (lünnen, 
sehr durchsichtigen Ilornblättchen. Eine Nadelarbeit, deren Reich- 
thum auf diese Weise durch Anwendung von getriebenen Gold- 
und Silberbleehen gehoben wurde, die auch zuweilen die Form 
von Blättern und vermittels kleiner Haken aufgeheftetc vielgestal- 
tige hletallblumen aus dünnem Bleche annahmen, nannte man im 
Laufe des Mittelalters Jahrhunderte hindurch das „0pus anglicanum" 
(gouvmige dlAngleterre). In dem bei altern Schriftstellern häufig 
vorkommenden Ausdruck „ars angliea" hätten wir zunächst also 
reich gestickte Ornamente zu suchen, deren Glanz und Kostbarkeit 
durch das Hinzutreten von getriebenen und emaillirten Arbeiten der 
Goldschmiedekunst, so wie der Perlstickerei und der Malerei 
verreichert und verziert wurden. Wir lassen es hier unentschie- 
den, ob die Bezeichnungen „0pus anglieanum" und "opus cy- 
prense" nicht zuweilen identisch von den altern Schriftstellern 
überhaupt für reiche Goldstickereieix gesetzt worden sind, da 
die Insel Cypern jener vielbesuchte, gewerbreiche Stapelplatz 
war, namentlich in der Periode der Kreuzzüge und unmittelbar 
darauf, woher man kostbare Seidenstoiie, desgleichen auch das 
Material der Seide zum Sticken, namentlich aberGoldgespinnstc und 
orientalische Goldfäden in Menge zu beziehen pflegte. 1) Diese 
.,englisehe Manier" und ihre Anwendung zu reichen Bihlstickereieu 
scheint das ganze Mittelalter hindurch sehr beliebt gewesen zu sein 
und viele Käufer angezogen zu haben. So lesen wir noch in spä- 
terer Zeit in einem Verzeichnisse der Schätze KarPs V. von Frank- 
w 
Vgl. 
col. 
die XXV. Dissertation Yon lNIuratori (Antiquit. Ital. med. aevi. tom. II. 
401-41135) und Glossarmm Du Gange ad vocem opus anglicum.
        

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