Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters oder Entstehung und Entwicklung der kirchlichen Ornate und Paramente in Rücksicht auf Stoff, Gewebe, Farbe, Zeichnung, Schnitt und rituelle Bedeutung nachgewiesen und durch zahlreiche Abbildungen erläutert
Person:
Bock, Franz Müller, Georg
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-932
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-4045
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Typus romanischer Blatterformen erkennen lassen, sind aus Per- 
len ebenfalls zusammengesetzt und in verschiedenen Farbtifvnen ge- 
geben. Die Halbfigui- selbst, die der ungcfügigerx Technik wegen 
etwas derb und steif erscheint, wird gebildet (vgl. Tafel X.) 
durch eine Zusammenfügung von hellrothcn kleinen Coiallcn- 
perlen, wodurch das Obergewand formirt wird und durch kleine 
orientalische echte Perlen, wodurch die Incarnittionstheilc und das 
Untcrgewand angezeigt sind. Sämmtliche Umrisse der IIalbfigur, 
entweder eine Darstellung der Madonna oder auch die allegorische 
Figur der „Ecclesia" als Siegerin mit der Krone, sind abgefasst 
mit kleinern Goldpcrlen, wie sie noch heute bei modernen Sticke- 
reien häufig in Anwendung kommen. Mit diesen Goldpcrlen sind 
auch die übrigen Umrisse contourirt. Die Krone, womit die eine 
Halbfigur geziert ist, besteht aus silbervergohleten Metallblcehen, die 
vermittels kleinerer Ocffnungcn auf der Ginmllage befestigt sind. 
Um dieser Perlstiekerci einen kräftigen IIalt zu geben, hat man 
sämmtliche Perlen auf einer Grundlage von Pcrgament gestickt, 
die man, um sie biegsam zu erhalten, wiederum mit einem grü- 
bern Leinen hinterlegt hat. Diese Stickerei dürfte, unserer Ver- 
muthung nach, aus der Mitte des XIII. Jahrhunderts herrühren. 
In dieser originellen Technik findet man an den Altarvorhangen 
in den Gewandzimmern des Domes von Ilalbcrstarlt mehrere 
meistentheils Hgürliche Stickereien als kleinere Medaillons, qua- 
dratisch formirt, die sammtlieh im XIII. Jahrhundert kunstrcich 
angefertigt werden sind. 
Die Sucht nach Abwechselung in der Form, nach Verschie- 
denheit in Wahl der Farben und des Materials und der Verschie- 
denheit in der technischen Ausführung war bereits im XIII. Jahr- 
hundert Veranlassung, dass namentlich die Stickerei zu kirchlichen 
Zwecken mit dem frühem einfacher-n Materiale und der oft einfachen, 
ja naiven Technik sich kaum mehr zufrieden gab, sondern da- 
rauf Bedacht nahm, mit einer entwickelten Form und lebendigem 
Farben auch einen grössern Reichthiml eines ungewöhnlichen 
Matcriales in die Stickerei 1nit einzuflechtcn und dadurch ihren 
Reiz zu erhöhen. Die Stickerei schmückte sich also, so zu sa- 
gen, mit fremden Federn und befreundete sich mit zwei andern 
verwandten Künsten, um in Verbindung mit denselben das Reichstc 
und Prachtvollste zu erzielen. Man veranlasste nämlich den Gold- 
schmied, in kleinen Medaillons, von sehr dünnen Silberblechen ge- 
trieben oder gepresst, Scenerieen, meistens entnommen aus dem 
Leben des Heilandes, darzustellen. Diese so scenerirten vergol- 
deten Silberbleehe wurden vermittels kleiner Oeifnungen und
        

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